Ulrike Draesner

 

 

 

(Deutschland)

 
 

mit kleinen wesen da

(gedichte mit kind)

 

 

 

 

pangen (sie spicht kein r)

goß soll es sein das wanden de augen: mein licht benn auf sie
summt sie nickt scheit sieht denkt sie ist das stenlein mischt
und findet weda sich noch uns die günde sind ein matsch
am gummistiefeland blatt patt die ada da de aum „die elsta
fliegt“ schwazweiß de „mond de auch“ wo ist die wald?
die katze unsichtba wikklich sitzt auf de hand da daußen wo
da gang bis es bicht da kug nicht schon und weiß das
baune auge seine heitekeit wenn wie vasteckt sich
was sie………….. (ist)

 

 

 

 

paprika mamrika

seit drei tagen kann sie das r und
wie sagte sie „paprika“ nach der kita
„mamrika“ wir lachten liefen riefen
ros: fahrradkringer kaufen zur berohnung
währte sie statt rosa rirryfee eine braue
mit maus danach saßen wir im café
sie aß cheesecake wir spierten « große »
sprich machten konversation unter
schaukernden pratanen war sie doch im theater
der rote drache mit den nicht mehl
glünen augen… und erzährte von feuer
und schreichen, herrrich war
das reben in diesem herbst

 

 

Photo: Daniel Biskup

 

 

reise des infans um die halbe erde
als blühender ball

im wald war alles eins
der weiße nebel aus wiesen
wunderbar ein kater der lebte nur
in der hand. sie hatte magnetresonanz
geträumt oder eiweiße erfunden
war drei jahre alt und liebte
einen stock der ihr als mutter
diente sumudu im wald mit
dem pinguin weiß schwarz
flügelnd brütend achtete auf
den unterschied das geringe
rucken der münder das überall
geschah ihr nun
das menschengesicht einst
spiegel schimmernd dünner verletzlichkeit
sumudu im wald was leuchteten die vögel
von unsprechbarkeit
was schlief
sie nach der landung
im buggy
schleifte einen fuß am boden
berührte die fremde erde
fürchtend blühend
beinah

 

 

 

 

ich wie du

da gibt es stellen
sehr genau zu beziehende
rosafarbene stellen aus zeltstangen
und dem wort „papa“ : die später

frühen erinnerungen, das stolzieren
der brust auf dem laufrad
schob mit den füßen
man sich über grund
die hände
lenkten
die wolken

man faltete schiffe
fuhr unter vaters augen
in einer weißen blume
davon: blondes gebimmel

später steigt feucht das gras
ins herz: das planschbecken
der tochter rosaweißrosa
von nichts. wo ist einer
wenn er fort ist wie jetzt
so lange schon

lang. bis im abendlicht
das alte wimmelbuch sagt:
voller menschen
bin ich
wie du

 

 

 

 

wölf

ein graues kind langhaarig dunkel das braune gesicht weiß verschmiert
klein, zart in weiter kleidung einem grauen fleece grauen hosen
festen schuhen ein wolfskind, in seiner art breitschultrig
die paar stufen des buses hinunter kleines wesen noch
nach dreie tagen kitafahrt nach schaf riechend erde esel
wie sprachlos in sich mit wildem hetzendem blick
kam sie für sekunden sekunden fremd auf mich zu
die stufen des busses paar stufen eine
welt herab nach drei tagen so fremd. wir mussten
erst wieder suchen wo wir wir waren aufeinandnerzufahren
die klebenden oder sich verfugenden ideen
die als arme hände sichtbaren waren zwischen uns
als ich sie, sie auf dem arm tragend, weiter berührte
sagte sie „au“ als hätte ich einen bart im gesicht
als hätte mein wölfischer bart sie gestreift
mein wölfischer blick.

ich hatte so lange gewartet
ich strich

 

 

 

 

rohling

in ihn werden sie gegossen
die zukünftigen jahre
ich gebe dir zucker den guten start
als wärst du ein pferd dir die sporen
zu verdienen. so sagt man noch? genossen
die zukunft, stoffbespannt. wir lassen
es, sage ich zu dir: kleben! wir lassen
ein band es umgeben und nahm
als muster den elefanten das dickhäutige
frauengeführte tier das zu trauern weiß
wie es ist an tagen wie diesem: dass die sonne
scheint das datum stimmt und verrinnt
dass der nächste schritt notwendig
und unwiederbringlich gehst du durchs schultor
mit deinen schuhen größe 30 aus kälbchenhaut.
nun wachsen die weißen großen zähne
dir und ich
will dich hegen.

 

 

 

 

 

 

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Ulrike Draesner, geboren 1962, studierte in Deutschland und England. Sie lebt als freie Autorin in Berlin. Ihr Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte, Essays und Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Zuletzt erschienen: « Vorliebe », Roman (2010), „Schöne Frauen lesen“, Essays (2007) und der Gedichtband „berührte orte“ (2008). Im März 2011 veröffentlichte Draesner den Erzählband „Richtig liegen. Geschichten in Paaren.“ Draesner hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Drostepreis und den Literaturpreis Solothurn (2010).

 

Mehr unter: www.draesner.de

 

 

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