Peter Schlack

 

 

 

(Deutschland)

 

 

 

 

Dae Papa kommt bald

S isch koe Ofang gwä wia sichs gheert
Dr Vater isch mit amma alta Rucksack em Hof gstanda
ond dr Bua isch vier Jòhr alt
Guck des isch dae Papa hòt dui Mamma älls gsagt ond uff a grahmts Bildle uff am Vertiko zaegt
Oener mit ra Uniform wo glacht hòt
Aber was isch a Uniform denkt dr Bua
Dae Papa isch en Gfangaschaft secht dui Mamma ao
wenn se òbends alloe
mit Treena en de Aoga am Tisch sitzt ond dem Bua Briaf vom Papa vorliest
Ond äll paar Wocha
dia Päckla mit Schoklad. Große Tafla.
Dia sen vom Papa, där isch en Belgien.
Er muaß em Kohlabergwerk schaffa, aber dr Kriag isch aus.
Ond nòh dia Wocha, wo se anandernòch komma sen, dia Männer. Dr Bolays Erwin. D Leit sen en Bussa-Stròß nuff, sen oms Haus rommgstanda uff dr Stròß. Mager isch-r gwä, dr Erwin. Dr Liaderkranz hòt gsonga, dia wo halt scho d gwä sen. D Leit hen sich gfraet ond gheilt.
Ond dia Fròga. Was macht där ond was macht där? Woeß mr won-r isch? Kommt-r? Was, dr Eugen isch gfalla!
Melle, kommt dae Erwin ao bald, frògt dr Bolays Erwin. Er kommt bald, er hòt gschrieba. Ets muaß se heila.
Zom Bua secht se, daß ses selber glaobt, dae Papa kommt bald, s dauert nemme lang.
Muasch-an en Arm nemma ond fescht drucka. Sechsch zuanam, ets lass-e de nemme fort, gäll!
Se nemmt ihrn Bua an dr Hand ond se gehn hoem.
Ond nòh isch en denne Täg Brennholz komma. Se hòts en Sutrae beigt ond dui Beig isch aeghagelt. Holz beiga isch no nia ihr Sach gwä.
Dui bleibt liega bis-r kommt.
Grad an soma Dag
holt där Bua
sae Dreirädle aus am Holzstall
zur Oma will-r
s isch net weit
d Hauptstròß nuff
d Gaishämmerstròß nonder
beim Bäckafritz, wo d Oma wohnt gibts a Bretzel!
Ets aber z erscht an dr Ruine vom Bäcka-Bier vrbei. Dò isch sae Lägerle gwä. Dr hoche Kamin stòht no, där wird erscht später abgrissa.
Beim Kickelheyn saener Barack kommt-am d Frao Weinmann entgega dui wohnt em Heisle ober eahne Peter fahrsch zor Oma?
Jò.
A Weile treppelt-r an Ruina vrbei, nòh isch-r an so amma halba uffbauta Haus. Des wird mòl s Probierstüble vom Hausmann. Dò muaß-r den Vater später ällamòl hola, wenn där koe End fenda khò ond d Muater drhoem mit am Ässa wartet. Drfir kriagt-r vom Vater an Schnaps, wenn-r Zòweh hòt.
Am Walker saener Drogerie vrbei, nomm oms Eck. Des isch d Gaishämmerstròß. Dò gibts nòh irgendwann da Laderer, da Hexamoeschter, won-am fir a Mark an Fassongschnitt schneidat. Wenns no em Kraga net so beißa dät.
Aber ets Gaishämmerstròß nonder, des gòht schnell, dò muaß mr net treppla. En denne Heiser wohnat Leit ond saene Fraend.
Uffbassa, wenns iber d Klengastra ght. Des woeß-r. S kommt aber sowieso koe Auto.
Em Hof vom Beckafritz kriagt-r von dr Frau Fritz a Bretzel. D Oma hòt dia fenf Pfennig em Voraus zahlt.
Gòhsch zor Oma? Jò!
Sae Dreirädle stellt-r onders Dächle, wos neamerts scheniert. Dr Bäckafritz isch a bissle a Haegler, vor dem hòt-r Angscht. Dr schreit manchsmòl.
Em Träppahaus liegat de obachane Bretzla uff mehlige Tiacher. Aus dr Backstub riachts guat. Äls secht dr Heinz, dr Konditor, wenn dr Bckafritz net om da Weg isch, Peter komm rae, machs Maul uff, ond spritzt-am mit dr Sahneguck Buttercrem ens Maul, daß-r schier vrstickt. Aber guat ischs, ond er khòs vrtraga, won-r doch so garnegss anam dranna isch. Drei Trppa nuff zur Oma sen weit fir dia kloene Fiaß. Drfir wartet se scho an dr Tir. Ets strahlt dr Bua, bei dr Oma isch-r so guat wia drhoem. En d Kiche gòhts durch da Flur, dò muaß-r des Bild vom Opa gucka, wian dr Opa als Ulan mit-ra Lanz en dr Hand uff saem Gaul sitzt.
Dr Opa als Soldat. Där isch aber emmer d gwä.
En dr Kiche sitzt-r an da Tisch ond kriagt zor Bretzel a Tass Milch. Ao d Oma veschpert, net viel, was halt gäba hòt en därra Zeit.
Ets kommt nòh bald dae Papa, secht Oma. Jò, i woeß!
Fraesch de?
Jò !
Dòdruff muaß-r sich fraea, des hòt mrm gsagt, a paar Mòl scho. Worom? Des woeß-r aegentlich net.
Er därf no a bissle uff am Schemale am Fenschter standa ond naus gucka. S gòht weit nonder, aber er hòt da Schneid drzua, weils halt kitzelt.
Oma, ets fahre wieder hoem. Bass uff d Auto uff!
Jò.
Em Treppahaus, an Stock diafer, stòht d Frau Mller. Bisch bei dr Oma gwä?
Jò.
Isch dae Papa scho komma?
Noe, i fahr ets wieder hoem. So machschs.
Hoemzuas fahrt-r emmer d Klengastròß nonder, des isch leichter, wia Gaishämmerstròß nuff. Er fahrt uff am Trottwa, treppelt ganz en Gedanka vor sich nòh.
Dr Papa isch där uff dem Bild, där schickt Päckla mit Schoklad aus Belgien. I muaß saga, i be froh, daßda dò bisch. Ets lass-e de nemme ganga. I muaß an fescht drucka.
Am Eck von dr Pflasteräckerstròß, geganiber vom Bäckatreiber haltet-r fir a Weile. Bloß so. Irgendäbbas isch.
D Oma kommt gschpronga, ganz uffgregt.
Peter dae Papa! Komm!
Se nemmt des Dreirädle en de oe Hand ond den Bua en de ander. Se sauat so schnell
s gòht d Pflasteräckerstròß nuff.
Em Hof stòht dr Papa. Der hòt sae Mamma em Arm.
Där sieht net aus, wia där, uff dem Bild. S muaß-r aber sae. Also: er sprengt uff den Papa zua, där nemmt-an ruff.
Dr Bua druckt fescht ond secht, i be froh, daßda dò bisch. Ets lass-e de nemme fort.
Dui Mamma heilt, dr Papa ond d Oma ao.
Ets woeß där Bua nemme was-r saga soll, zua dem Mò, wo sae Papa isch. Woeß nemme was-r do soll. Was mrm ufftraga hòt, hòt-r gmacht. Aber ets was?
Er druckt sich an sae Mamma nòh ond dui hòt dr Papa ao em Arm.
En dem Rucksack sen a paar Tafla Schoklad gwä, aber nòch vierzeah Däg hòt dr Bua zu saener Muater gsagt: Där soll wieder fort nach Belgien ond Päckla schicka!

 

(Gablenberger Gschichta » , Edition Peter Schlack)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Peter Schlack (16. September 1943 in Stuttgart) ist ein schwäbischer Mundartdichter, bildender Künstler und Jazzmusiker.
Aufgewachsen in Stuttgart-Gablenberg, absolvierte Schlack nach seinem Schulabschluss zunächst eine Lehre als Lithograf. Später machte er eine Umschulung zum Sozialarbeiter. Heute arbeitet Schlack hauptberuflich als Therapeut in der Jugend- und Drogenberatung in Stuttgart. Er lebt in Stuttgart-Degerloch.
Schlack gehört zu den Begründern der „Neuen Mundart“ in Schwaben. Sein erstes Gedichtbändchen mit sprachspielerischen Texten heißt Urlaut und erschien 1973 im Selbstverlag. Bis heute hat Schlack mehr als zehn Gedichtbände und Kurzprosastücke veröffentlicht. Die Werke Gablenberga Gschichta und So sotts sae hat Schlack auch als von ihm selbst gelesene Hörbuchversion auf CD herausgebracht. Beide CDs verbinden Mundart mit Jazz. Letztgenannte CD spielte Schlack mit dem Trio des Arts ein. Dafür wurde ihnen 1996 der Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen.
Schlack ist auch als bildender Künstler tätig. Von 1975 bis 1992 führte er einen eigenen Verlag, der die wichtigsten schwäbischen Mundartautoren verlegte. Die Illustrationen in den Gedichtbändchen stammten fast alle von Schlack selber.
Peter Schlack engagiert sich in der Friedensbewegung.

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