Nicolae Coande

 

Bete, dass es nicht im Winter passiert

 

Aus der Teekanne trinkst du langsam eine schweigsame Erinnerung,
etwas, was sich nur in der Dunkelheit gesagt werden lässt,
erstarrte Gesichter deren, die sich einmal geliebt haben,
Flüstern der Steine mit Totenkopfhaut
und du weißt nicht, wann sie kommen werden, dich zu suchen
mit Wollenschritten im Schnee,
mit dem Blut über ihnen,
es wird dir unmöglich sein, weder deine Kleidung
noch deine Brille mitzunehmen,
du wirst dir ein Foto auf dem Tisch anschauen,
die Kälte wird unter die Tür hineinströmen,
der Mond – behaupten einige – wird sein Licht nicht mehr werfen,
die Wolken über der See werden die Zeit sammeln – einen eingeschlafenen Alten mit dem Gesicht nach oben,
das Herz wird als erstes das Zimmer verlassen,
mit den Schuhen des Nachbarkindes angezogen,
der Schnürsenkel wird unter der Schwelle gefangen sein,
wenn du weggehst, kannst du die Schwelle nicht mitnehmen,
bete, dass es nicht im Winter passiert,
wenn die Leute seltener und alleiniger sind.

 

 

Die Hochstapelei

 

Sie glauben, dass man sich in die Natur zurückziehen kann, um zu schreiben,
genau so wie man eine Konservendose mit Blutgedichten öffnen würde,
aber die Hochstapelei ist alt.
Dichtung & Wahrheit in der Aldi-Zeit
Ich bin das Schneeglöckchen, das seine Zigarette anzündet,
wenn es die Heimat verlässt,
in Spreeathen schüttelt der führer
den Mond aus seinem Haar,
unschlüssig zwischen zwei Frauen
ich taste die Metapherleber ab,
die Augen können nicht lebenslang einer Apfelblüte
in die Augen schauen,
wenn sie imstande wären, würden die Zigeuner den Mond klauen.
Ruhig wie eine Dachziegel
zerplatzte der Sommer.

 

 

Die Fliege im Geheimgarten

 

ich redete mit den fliegen in Münsterland
ich schlag dich tot, sagte ich zu einer auf Rumänisch
aber das Küchenfenster ließ ich immer auf
vielleicht konnten sie flüchten
(für sie hab’ ich gelbe Mohnsamen zur Verfügung,
sie riechen ein bisschen daran, und schlafen ein)
im westfälischen Sommer ist kalt wie in einem Kohl
und jetzt wenn ich neben dem Tisch im Zimmer einfriere
begegne ich exilierten zitternden Toten
Celan umarmt in der Seine von einem deutschen Meister
Gherasim Luca in die Welle gesunken qui a l`air d`allumer
le feu sur la terre
heutzutage haben die Lyriker keinen Platz mehr auf den Brücken
Negoiţescu allein in seinem Münchener Zimmer
schrieb an seiner Geschichte auf seinem Geschlecht
Ciorans letzten Tage, als er auf Rumänisch stammelte
auf den Fluren eines Totenbordells in Paris,
während er die Blumen aß,
crénomde Dieu
Blumenpest für die rumänischen Exilschriftsteller
der alte Ionescu erstaunt, da die Welt leer ist,
nervös, da Gott den Tod für ihn nicht abgeschafft hatte,
Ierunca erschöpft wegen der verdammten Geschwindigkeit der Welt
schrie sie vom Fenster aus an
sauer, weil ihm die Sprache weggenommen wurde
er lebte nur für den Ausdruck
wie sich Monica Lovinescu daran erinnerte, als
sie selbst noch reden konnte
jeder mit seinem Geheimgarten
der Tod auf Rumänisch ist eine gelbe Fliege in einem Mohnfeld
eine Lebensart im Wasteland.

 

 

Übersetzung : Cosmin Dragoste

Articles similaires

Tags

Partager