Monika Littau

 

 

(Deutschland)

 

 

 

für Sophie Taeubner

 

als sei das grüne gefühl verholzt

und will doch nicht brennen betäubt dich

und glimmt nur löscht aus den kreis und

das u das drei und das viereck

die horizontalen und vertikalen

 

und du steigst auf in den morgen

verlässt alle fluchten und gastfreundlichkeiten

die arbeit die arbeit und perlentäschchen

gewebtes gelb erdrot braun blau

 

den großen DER den großen DAS dem

sitzt du im dadakopf mehr denn je

du blühst den verlust  den verlorenen alltag

wirst leichter und lichter und lächelst

vielleicht

 

 

 

 

 

 

knospen

Zu Mary Heilmanns Bild Rosebud (1983)

 

von der kinderschleife mit punkten

heben sich rote marienkäfer

propellerschwirren in der luft

und aus rosenknospen blättert sich rot

das fällt aus den sträußen des nachts

kleckse gekleckse farbnasenrot

die einschusslöcher im menschlichen fleisch

im feuer verbrannte Kane´s kinderschlitten

glüht meine erinnerung noch lange nach

 

 

 

worüber wir hinweggehen

 

ist das anstehende

gehoben und ins zentrum gesetzt

ein monolith

ein meer von ablagerungen

von vulkanischen schmelzen

in muschelbrüchen eisenrot

 

die kuppen der finger

fühlten die härte

des eingerumpften

stressstellen verwerfungen

brüche

wo später der frost sprengt

das moos siedeln wird und

landkartenflechten aufflackern

 

ich weiß der tag ist gesträhnt in

licht und dunkel fäden du kannst

keinen schatten über mich werfen

bleib ich im weiß die faden

kreuze gewebe verhärtungen lösen sich auf

am haus fehlt ein schlitz für die post

und gestellt ist der antrag auf löschung

ich weiß du kannst keinen schatten im dunkeln

kein bild ohne fläche und flanke

weiß es weiß es wieder

kämme den tag vor der nacht

 

 

 

Sophie Taeubner und Hans Arp flohen 1940 vor den Nationalsozialisten aus der Nähe von Paris zunächst nach Südfrankreich, dann in die Schweiz. Im Haus von Max Bill starb Sophie Taeubner am 13. Januar 1943 an einer Kohlenmonoxidvergiftung durch einen falsch gehandhabten Ofen. Sie hatte zuvor ihren Schlafraum für Hans Arp, der von einer Reise zurückkehrt war,  geräumt, und war in den neuen Wintergarten gezogen. Die Kälte, sagte sie, mache ihr nichts aus. Sie muss jedoch in der Nacht versucht haben, ein Feuer im Ofen zu entzünden.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Monika Littau

geboren in Dorsten, studierte Germanistik, Geographie und Musikwissenschaft in Bochum und Münster. Sie war mehr als 20 Jahre in Forschung, Bildung und Kulturförderung tätig, arbeitet nun seit 2007 als freie Autorin, konzipierte und betreut den Lyrikwettbewerb postpoetry.NRW.

 

Veröffentlichungen (Auswahl):

 

  • Wo du die Welt von unten sehen kannst. Sri Lanka – Ein Textzyklus, Weißenburg 1983.
  • Trümmerfrauen, Theaterstück (zus. mit G. Koch), Dortmund 1987.
  • Immer schön hinten anstell´n, Madame, Hörspiel (zus. mit G. Koch), WDR, 9.5.1988.
  • Der Goldfisch, Literaturvideo, Dortmund 1988.
  • „Nachts fällt mir so viel ein …“ Geschichten aus der Lebensgeschichte alter Menschen, Dortmund 1989.
  • Paare pur und Plagiate. Lyrik und Prosa in vier Monden, Dortmund 1992.
  • Himmelhunger – Höllenbrot. Erzählung, Dortmund 2000.
  • Alphabetta in Alphabettanien. Erstlesebuch mit Spielebegleitheft (Illustrationen von Christine Bozler), Vechta 2007, 2. Aufl. 2008.
  • BEIM ÜBERSCREITEN DES TAUPUNKTS. Gedichte, Bochum 2011.
  • Vom Sehen und Sagen. Die Buchela. Ein Biografieroman, Bochum 2012.
  • Fritzi findet. Kinderbuch, Berlin, 2013
  • Ich bin bunt. Erzählungen, E-book, Saarbrücken 2013.

 

Auszeichnungen und Förderungen:

 

1988 Förderpeis für junge Künstler des Landes Nordrhein-Westfalen
1992 Förderung durch den Kunst- und Kulturfonds der Stadt Witten
1999 Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen.
2002 Sieger im Wettbewerb „Begegnung Osteuropa“ des Ministeriums für Arbeit und Soziales NRW (mit einer Klasse 6)
2010 und 2012 Aufenthaltsstipendium im Internationalen Schriftsteller- und Übersetzerzentrum Rhodes (IWTC)
2012/13 Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW

 

Weitere Informationen u. a. unter: www.monika-littau.de

 

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