Martin Solotruk

 

Foto: Paul van Schie

 

(Slowakei)

 

 

 

Poröse Grenze zur Zone des infinitesimalen Wunders

Nur zwischen zwei leidenschaftlich ineinander Verliebten, usw.

 

es gibt eine Grenze die nur du zu spüren vermagst

brennend im Hinterkopf

der Mann auf dem atonalen Lauf

Flüchtling in einer gemeterten Gegend

 

die Besorgnis dämmerte tadellos

wie ein göttliches Kennzeichen

ein primitives Ereignis

mit schwebenden Farben durchzukommen

 

geschickt hinzuweisen

auf die großzügig manifestierten

Fleckchen, Farbtöne und Hinweisungen

des sich aufstrebenden Apfels

der körperlichen Zwietracht

 

es will nicht vergehen, nur immer aufwachsen

in süßer Choreographie der Zellen

es macht seine Universalpunkte süßlich

und exakter im Balanceakt

des Horizontalen mit dem Vertikalen

 

durch die Kurtisane                       Entfaltung der dunklen Materie

parallel zu gegebener Zeit der Myriaden

von sich bekämpfenden stellaren und vokalen Inter-Views

 

abgründlich, verspottet

als Non-Entität,

die immer noch verlockenden ist

 

es ist die gezielte Luft jener hängenden Frucht

die sich hier verdichtet hat

materiell, rundherum

wo wir einen Platz angenommen haben

 

heute ist er voll von

Düften der sinnvollen

obwohl auch schon ein wenig saftigen

Trennung

 

die sich innerhalb der gespalteten Sekunde öffnet

der Grenzblitz

der die Dinge so annimmt

wie wir sie gekannt haben

in einer erstaunlichen

Spirale der Emmanation

 

aus dem mehreckigen

Austausch der gemeinsamen Schöpfung

der Argumente die wir bei unserer Verteidigung verwenden

eine gebündelte Position

und ein neuerfundener Apfel, behaglich zusammen

 

schauen wir auf den Bildschirm

und sehen etwas glasklar

im genau geschnittenen Spiegel

des vorübergehend grenzenden

Unvorstellbaren

 

und was noch mehr, jetzt,

mit der Gewalt vergessen

fühlt sich das Gedächtnis sehr gemütlich an

seit du von der großzügigen Fülle

zwischen uns

 

so hingerissen warst

die wimmelnde Spiegelung

der reflektierenden Muster

die bis zur Spaltungsgrenze

deines ersten Atoms gebracht worden sind

 

so dass du jetzt, beinahe ein Mond-

gängiges Wunder,

dich kaum hineinatmen

kannst

 

zu deinem Urschädel

um dein unruhiges Original wiederzubeleben, Ich

 

schon lange virtuell informiert,

durch die minderwertige Ausdehnung

und Radius

der Hände ursprünglich gemacht um zu verwöhnen

 

bei den Versteckspielen

auf den Tasten und Bindungen der Klangsinne

die wiedermal erheben können

bis zu dem Augenblick des auf der Kreuzung

mit den universalen Strömungen Seiendem

 

es ist diese Grenze

eine Faser von vielfältigen Harmonien

eine Art die die ganze zerstreute Trivialität im Zeitraum

zusammentreibt

 

in ein Gefühl von symphonischer Macht

der die Unterströmung

vergrößert

in eine goldene und süße Flut

des Üblichen

 

hervorhebt

was innen und

was außen ist

ein bereites Abwehrsystem

gegen die Nukleare

 

kleinbürgerliche Bösartigkeit

die ganz mutwillig passiert

am hellen Tag

mit anonym sinnlosen Verletzungen

 

die die porösen Grenzen brechen

der stummgewordene

der Einer Gefangener

in der Schlinge der ewig

aufgegebener Erwartung

 

dessen was sich über der Grenze abspielt

die das Ursprüngliche, dort frei erfasste Ich, spiegelt

durch den Wendepunkt

zwischen dem Ich-atmenden mit Inspiration,

 

und das Stierauge

zwischen mir und nicht-mir

über das ich keine Mittel habe auszusagen

außer durch meine verstorbene Mutter

 

 

 

Die Grenze einer überaus herrlichen Anziehungskraft

 

die Grenze die wir spüren ist die Gegenwart

die nicht ergriffen werden kann

innerhalb uns

entsteht

 

am Morgen der erste Begriff

eine flüssige Materie

 

gerührt durch den sanften Morgenruf

um das Haus in Ordnung zu bringen

 

etwas weniger metaphysisches

folgt dem Zustand einer Grenze

die uns der Tatsache einer wirklichen Teilnahme

an den ursprünglichen Träumen wach haltet

 

eine nukleare Natur

verschlüsselt bis auf die Textur

der Haut die sich zu verbinden versucht

eine Hautannäherung die aufgelöst werden kann

 

bis zur überglücklichsten Zufriedenheit

die tief

im System abläuft

und sich ganz allein verjüngert

 

und sich erneut der Offensive

erhebt

 

der weichen Kraft

 

die einnimmt und gleichzeitig enthält

———————————//////// jeglichen Wiederstand

 

sich gegen

die allmächtig leuchtende Gebärmutter

die nebelhaft hochaufwärts steigt, zu erheben

 

während sie

den überaus süßesten Drang fesseln versucht

durch die Auflösung gleichwelchen Sinnes

einer Grenze

Bedingung

zwischen

zwei

/////// engagierten Delegierten

 

aus den weit entfernten Ländern

die sich im eigentlichen Prozess

individualisieren

 

wie sie sicher, wenn auch fast blind,

zur Zone

 

der glücklichsten Grenzlosigkeit ankommen

gefolgt von einer weiteren betrügerischen Explosion

erschüttert durch die geteilte Welt

 

auf und ab

in der (al)l) chemischen Operation

dementsprechend ausgedrückt

hinter einem Kuss verborgen

 

der Abschied

in zwei Richtungen

angesichts des Apeirons

 

 

Übersetzung: Martina Straková

 

 

 

 

 

 

 

____________________________________________

 

Martin Solotruk, geboren 1970 in Bratislava, Slowakei, ist ein Poet, Übersetzer und akademischer Forscher.

 

Er ist Leiter der Ars Poetica International, des international Poesiefestivals und Verlagshauses – einer Organisation, die im Jahr 2003 in Bratislava gegründet worden ist. www.arspoetica.sk

 

Er studierte Englisch-Amerikanische Studien und Slowakische Literatur an der Comenius Universität in Bratislava wo er heute, nachdem er auch an der Azusa Pacifıc University in Kalifornien und der University of Warwick in Großbritannien studierte und danach einige Jahre im Fernsehen und Werbung verbracht hat, lehrt. Seinen PhD Titel erhielt er im Fach Translatologie und hat zwanzig Jahre Amerikanische Literatur unterrichtet. Danach wechselte er zur Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Comenius Universität um juristische und diplomatische Sprache zu unterrichten.

 

Für sein Lyrik-Debut Tiché vojny (Stille Kriege, 1997) erhielt er den Preis des Slowakischen Literaturfonds für das beste Debut. Danach folgten Gedichtsammlungen Mletie (Mahlen, 2001), Planktón gravitácie (Plankton der Gravitation, 2006) und Lovestory: Agens und paciens (2007). Für diese Jahr (2017) ist die Herausgabe seines neuesten Gedichtbands Metafyzická domácnosť (Metaphysischer Haushalt), geplant.

 

Seine Gedichte erschienen in verschiedenen Anthologien in Deutschland, Irland, Großbritannien, Italien, Mexiko, Makedonien, Taiwan, Tschechien, China, Kolumbien und den USA, darunter auch in A Fine Line: New Poetry From Eastern And Central Europe (Arc Publications, 2004) und New European Poets (Graywolf, 2008). Ein Solo-Buch von seinen Gedichten wurde in Paris, im März 2016, in Éditions Bruno Doucey, als Teil seiner Poesielesungen in Le Printemps des poétes, herausgegeben.

 

Solotruk war Gast bei zahlreichen Lesungen, Festivals und verschiedensten Literarischen Veranstaltungen weltweit. Er übersetzte auch Poesie und Drama aus dem Englischen. Eine Buchauswahl der Werke von Charles Simic, John Ashbery und Ted Hughes in seiner Übersetzung ins Slowakische wurde preisgekrönt. Theaterspiele übersetzt von Martin Solotruk wurden in den größten Theatern in der Slowakei, einschließlich im Slowakischen Nationaltheater, inszeniert. Im Jahr 2007 erhielt er für seine Übersetzung von Ted Hughes’ Crow den Preis für die beste künstlerische Übersetzung.

 

 

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