Manfred Ach

 

(Österreich)

 

 

 

Notizen zum Stichwort „Krieg“

 

 

Kriegspfadfinder. Headhunter. Hacker.

Wo sind wir eigentlich?

 

Kriegsschauplätze überall, Schlachtfelder voller shooting-stars:

Die Kamera ist geladen, der PC hochgerüstet, die Bilder nehmen gefangen, auch Texte werden festgehalten, dingfest gemacht. Je geladener ein Computer, desto mächtiger. Ein Befehl genügt und die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Mit Bildschirmausfällen und Datenverlusten ist zu rechnen, wenn sich ein Trojaner in unser Territorium einschleicht und unseren Sperrgürtel (firewall) durchbricht.

 

Kriege werden nicht mehr mit Armeen geführt, sondern mit Armaturen.

 

> Ein Krieg ist ausgebrochen!

> Woraus?

 

Seitdem wir die Distanz des Steinwurfs überwunden haben, gehen uns Kriege nur von ferne etwas an.

 

Man solle, so das einfache Gemüt, die Kriegswütigen in ein Ghetto sperren und aufeinander loslassen (notiert in einem Ghetto der Gemütlichkeit).

 

Kriege sind die Hinterhöfe der Sexualität.

 

In welchem Krieg waren diese jungen Leute, die Bomberjacken und Springerstiefel tragen, um zu zeigen, dass sie Verlierer sind?

 

Würden wir einander zuhören, gäbe es weder Kriegslärm noch Totenstille.

 

Lärm ist immer ein Aufruf zum Krieg („all’ arme“).

 

Auch wenn alle ihr tägliches Brot bekämen, würde es keinen Frieden geben. Allenfalls Zufriedenheit. Es ist ein anderer Hunger, der die Kriegstreiber steuert.

 

Die Sieger haben den Krieg gewonnen.

Die Verlierer den Frieden verloren.

 

Wollte man die Bemühungen, Frieden zu schaffen ohne Waffen, zusammenzählen, käme eine hübsche Summe heraus. Aber sie lässt sich gegen die Zahlen der Kriegstreiber nicht „ins Feld führen“. Deren Rechnung geht immer auf. In Flammen.

 

Nach zwei Weltkriegen, meinte er, sei seine Meinung hieb- und stichfest geworden. Auch sei er an schwere Geschütze gewöhnt.

Also bombardierte er uns mit Schlagwörtern.

 

Die geistigen Väter (Elementargeister) des Ersten Weltkriegs: Darwin, Marx und Nietzsche. Dabei wollten sie gar keine Väter sein, wie so häufig in der Geschichte der Befruchtungen.

 

Wenn der Krieg der Vater aller Dinge ist, wer will da noch Mutter sein?

 

Gotteskrieger: Religionen bedürfen nicht immer der Kriege, aber Kriege sehr häufig der Religionen.

 

„Weltkriege“ – eine Definitionsfrage. Alle bekommen sie zu spüren, aber nicht alle sind daran beteiligt.

Mit Weltreligionen verhält es sich ähnlich.

 

Wer von „Heiligen Schriften“ spricht, sollte ihre Nähe zum „Heiligen Krieg“ nicht verschweigen.

Auch die Genesis ist eine Kampfschrift und große Teile davon sind im Exil entstandene subversive Literatur.

Den Nächsten kannst du lieben, den Übernächsten schon nicht mehr.

 

Heiliges Wasser, abgefüllt, verursacht Krätze. Heilige Erde, parzelliert, verursacht Kriege. Heilige Luft, abgeschnürt, verursacht Not. Heiliges Feuer, abgefackelt, macht uns kalt.

 

Nicht die Menschen führen Krieg, der Krieg führt die Menschen. Und zwar dazu, was sie sind: Wesen, die töten und die töten wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Manfred Ach

* 1946

Grünwald bei München

Vita

Lebt abwechselnd in Bayern und in Wien. Studium der Germanistik, der Philosophie und Theologie. War hauptberuflich Lehrer und nebenberuflich mit der Herausgabe pädagogischer und religionswissenschaftlicher Schriften betreut.

Poet ist Ach seit 1964. Seinen ersten Gedichtband publizierte er 1967. Weitere Lyrik- und Prosaarbeiten folgten. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften, in Anthologien und im Internet. Über 100 eigene Buchtitel sowie Schallplatten, Kassetten, CDs, DVDs, Poster, Kalender etc. Mitglied der Grazer Autoren Versammlung.

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