Kai Pohl

 

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vergeblich

 

angeblich angeblichene sachen

die lange vergilbt sind

 

verglichen mit den verblichenen

waren sie wirklich vergeblich

 

 

dort

 

wo der hubschrauber

durch die luft schrappt

bis das geräusch sanft abebbt

wo die tage verhuschen

unter der bleiernen klimadecke

ist die stimmung zu hell

für die jahreszeit

ein depressiver schwamm

der saugt und macht

daß die worte sich anfühlen

wie ein vertrauter

unbewohnbar gewordener ort

 

 

Seele gelöscht

 

Während du am Boden

das hier liest, läuft die

Fangflotte aus, vielleicht

zu ihrem letzten Fang,

begleitet von der Brandung

in den Pipelines, die das

sprachlose Gezeter der

Sägen übertönt, aus den

ohne Not verheizten

letzten Winkeln eines

paradiesisch gelegenen

Arbeitslagers.

 

 

lichtspalt

 

gewölbte frucht

leib der sich teilt

bis zum großen durchbruch

zu den fragen des lichts

 

 

schattenfuge

 

schicht für schicht

die nacht abtragen

bis zum großen durchbruch

zu den fallen des nichts

 

 

Vergeblich ist bloß, was man zu tun unterläßt

 

nach Franz Hodjak

 

Um dich rotiert die Stadt, ein endloser Autokorso,

die Verrichtungen der Fahrer leer wie die Blicke

und tot wie das Mantra vom auswendig gelernten

Leben, das entlohnt wird mit lebloser Dauer.

 

Bienen folgen den versprengten Gerüchten der

Blumen, in diesem Freilichtimbiß, der dich an ein

Gewitter in Sibiu erinnert, als du tropfnaß und

bierselig im Gartenlokal der Pension ausharrtest.

 

Die Schamlosigkeit käuflicher Gespräche über-

wuchert dein Hier und Jetzt; was bleibt dir übrig

als abzuschweifen, du streifst mit dem Kinn die

Robinienäste, die von Blütenduft schwer in den

 

Nachmittag hängen. Also wartest du ab, bis alles

Mißtrauen verbraucht ist, kippst den letzten Raki

gegen die Kondensstreifen, die heillos den Plan

des Himmels durchkreuzen.

 

____________________

Der Titel zitiert den Schluß des Gedichtes Gartenlokal von Franz Hodjak, erschienen in Sehnsucht nach Feigenschnaps. Ausgewählte Gedichte. Edition Neue Texte. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1988. S. 146.

 

 

BECHA IN TOWN

 

DIE URVÖGEL MEINES VERTRAUENS

SIEDELN IN DEN BRUTHÖHLEN DER

FASSADE RINGSUM KANINCHEN

STETS AUF DER HUT VOR DEM FUCHS

 

DIE AUSDAUER STAGNIERT GENAUSO

WIE DIE EINBILDUNG DIE SONNE SCHEINT

ZWEIMILLIONENSIEBENHUNDERTACHT

UNDACHTZIGTAUSENDMAL BEI GOOGLE

 

DIE EICHHÖRNCHENLEICHE MIT DEM

LOCH IN DER BRUST NEBEN AUSWURF

VON HUNDEN UND RATTEN ZERSTREUT

WIE EIN GEFALLENER PARADIESVOGEL

 

„ABER DAS IST ZUWENIG“ JA

IST ES NICHT IMMER ZUWENIG?

IST ES NICHT NURMEHR EIN WUNSCH

UND NICHT DIE WIRKLICHKEIT?

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Der russisch-/englischsprachige Titel des Gedichts heißt Frühling in der Stadt. ABER DAS IST ZUWENIG ist die Schlußzeile aller fünf Strophen des Gedichts Auch der Sommer verschwand … von Arseni Tarkowski, erschienen in Poesiealbum 256, Neues Leben, Berlin, 1989, S. 3; aus dem Russischen übertragen von Katja Lebedewa.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kai Pohl est né en 1964 à Mecklenburg et vit actuellement à Berlin.

 

Graphicien, poète, rédacteur de la revue floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation (www.floppymyriapoda.de).

 

Dernier recueil de poésie: Öffnen + Schießen, KRASH Neue Edition, Köln, 2007.

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