Joanna Lisiak

 

Joanna-Lisiak

 

(Polen-Schweiz)

 

 

 

Musik

 

Trocken gesagt eine Sprache

eine Win-Win Sache und darüber

rentabel: ein Mal komponiert

spielbar mannigfach ohne

Materialermüdung dazu universell.

 

Sie ist Freilauf des Gehirns.

Auf Hörpromenaden klingende Skulpturen

changierend in Form zwirbelnd

wellend angelegte Variationen.

Mit ihr kann man dem Materiellen

das Andere entgegensetzen das grösser ist.

 

Die Formel offen:

wo die Interpretation

mehrdeutig wird

wird mehrdeutig

die Interpretation.

 

Was ist des Tons Chronologie?

Wie lange dauert die Farbe eines Lauts?

Wie schmeckt Dur wie Moll

ist C vertrauter Freund?

 

In der Stille wird sie geschaffen.

Aus der Stille tönt sie heraus.

Die Stille ist in ihrem Klang zugegen.

 

 

 

harmonie mit schräger

dämpfung

 

eine stimme aus dem äther

mehr vogel als engel

losgelöst von allem

sang wie gegeigt

es bewegten sich

die dinge frei

weder in krummer

noch in gerader

richtung ohne ziel

ohne willen ohne

gehorsam

dazu stimmungsvolle nachtigallen

als gälte es blecherne

ohren auszufransen

der rest ist schweigen

 

– aus „Klee composé“, Komposition: Maurus Conte –

 

 

 

was alles wächst und ist

 

in der zwitschermaschine

eine vorführung des wunders

ein engel vom stern noch

weiblich mit flügelblick pflegt

die empfindung beim spiel

einer lyristin zweige im herbst

mit gelben vögeln mit dem ei

ein lächelndes tierchen an der

pfote saugt auf einer welle

ein modehut wie eine seerose

gibt mir pianissimo sein händchen

zwei unter dem schirm ein

abgekürztes hörnendes tier und

fabelhafter nachwuchs winken

vogel-flugzeuge einsamen

dem hafen entlang beflaggte

stadt entfettet etwas schwerhörig

auf grün bemanteltes selbfünft

regen besprengt zeigt mir die zunge

es glüht vor lauter liebe so

möcht ich auch

 

–  aus „Klee composé“, Komposition: Maurus Conte –

 

 

 

Der Klavierstimmer

 

Wie er alles andeutet halb

bloss anspielt halb horcht.

Das Ohr wird wach erstrebt

das ganze Konzert oder

zumindest eine Etude.

 

Er unterlässt geheimnisvoll

mit präzisestem Anschlag

manchmal spielt er

nur schwarze Tasten

sie klingen nach

verlorener Liebe.

 

Ich gebe mich

dem Eindruck hin glaube

der blossen Anstimmung

füge das fertige Ausspielen

mit meinem Gedankenbogen

zusammen.

Aus zehn Prozent mache ich eine Eins.

Er bringt eine Sehnsucht nach Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

____________________________________________

 

Kurzvita

 

Joanna Lisiak, geboren 1971 in Polen. Diverse Einzel-Publikationen Lyrik, Kurzprosa und Dramatik. Zuletzt: „Besonderlinge – Galerie der Existenzen II“, Wolfbach, Zürich und „Klee composé – Lyrik mit Paul Klee“, dotbooks sowie Littera, München/Zürich. Ausserdem zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Joanna Lisiak schreibt Lyrik, Kurzprosa, Essays, dramatische Texte, inkl. Hörspiele und ist u.a. Mitglied des PEN.

Vertonung und Uraufführung des Gedichts „harmonie mit schräger dämpfung“ aus „Klee composé“, Komposition: Maurus Conte für Streichquartett; Ensemble Montaigne, Neubad, Luzern und Theater im Burgbachkeller, Zug. Vertonung und Uraufführung des Gedichts „was alles wächst und ist“ aus „Klee composé“, Komposition: Maurus Conte für drei Soprane, Schwyzer Örgeli und Klavier; Uraufführungen mit „Chrutstil“ (Stefanie Erni, Marianne Knoblauch, Nuria Richner, Andrew Dunscombe, Katja Zimmermann) Kantonsschule Musegg, Luzern und Ital Reding Haus, Schwyz.

Joanna Lisiak ist auch Jazzsängerin («The Island» mit Kirk Lightsey, Tiber Elekes, Florian Arbenz):

www.jazzindex.ch

http://www.asphaltspuren.de/index.php/asp-im-gespraech/52-interview-mit-joanna-lisiak

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