Huang Fan

 

 

(China)

 

 

 

Aus dem Chinesischen von Wolfgang Kubin

 

 

Vokabelverzeichnis

 

Wolken: Alle Arten, über diese Welt zu reden.

Stadt: Alle Mühsal, diese Welt für Spekulationszwecke zu horten.

Liebe: Die Verkörperung allen Begehrens auf Seiten des Mondes.

Polizei: Die trüben Mienen eines gewissen Monats, von ihr mitgenommen.

Moral: Das Axiom, in der Mitte des Lebens nicht zurückzudenken, so

schließen zu können auf Frau, Fron und Heiterkeit.

Lyrik: Ein Grab, von den Dichtern gerade renoviert.

Staub: Ohne Unterlaß fleißig rühren, bis vielleicht das Glück sich wendet.

Einsamkeit: Alle Stimmen sind dem Gehör ein verwundeter Vogelruf.

Freiheit: Nach der Fron die Leere, da du nicht weißt, was dein Anteil ist.

Tür: Steht sie offen, was läßt sich da noch garantieren?

Zufriedenheit: Wenn dir nichts mehr gehört, bedeuten dir Gewinn oder Verlust nichts.

Messer: Die einfachste Form eines Gespräches von Mensch zu Mensch.

Entdeckung: Den unaussprechlichen Kummer der Alten allein zur Sprache bringen.

Dialekt: Ein paar ungewirkte Wolken, unterwegs im Hirn der Dichter.

 

 

 

Der Kern des Problems

 

Braune Dinge

sind in Wahrheit blaue Dinge.

Eine gelbe Liebe

ist in Wahrheit so einfach wie ein Weiß.

Ein Massaker in Rot

ist in Wahrheit ein Verrat in Schwarz.

Manch Sachtes

ist in Wahrheit erregt wie ein Bajonett.

Was in den Augen blitzt,

ist in Wahrheit grau vor Scham.

Wer mit dir prahlt,

läßt in Wahrheit seine Absicht aus.

Was aus sich sprudelt wie ein Held,

schenkt sich in Wahrheit her.

Ein O.K. ist in Wahrheit

eine müde Ablehnung.

Du und ich,

wenn auch nicht gleich,

haben in Wahrheit das Ende zu gewärtigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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BIO

 

Huang Fan, 1963 in Huanggang, Hebei, geboren, lebt jetzt in Nanjing. Er ist Lyriker und Schriftsteller mit einer ausserordentlichen Professur. Sechs seiner Bücher sind schon erschienen: „Das elfte Gebot“, „Schwebende Farben“, „Klagelied von Nanjing“, „Warten auf den Verlust der Jugend“, „Ein Herr in der Mädchenschule“, „Zu Fuss durch China“.

Sein erster Roman „Das elfte Gebot“ erhielt auf der „Sino“ Online-Lesereihe von Originalwerken über drei Millionen Klicks. Auf dem Internet wurde es für eines der zwei wichtigsten Werke für junge Leser seit der Kulturrevolution gehandelt. „Mittlere Jahre“ kam in die „hundert Gedichte aus hundert Jahren“. Die Gedichte erhalten in Taiwan viel Aufmerksamkeit und er ist vom Chefredaktor der „United Daily News“ Spezialausgabe als beliebtester Dichter des Festlands in Taiwan bezeichnet worden.

 

Er hat den goldenen Schriftstellerpreis für Kurzgeschichten erhalten, den Beijing Literaturpreis für Lyrik, den chinesischen Lyrik-Biennale-Preis, den Jinling Literaturpreis (Nanjing), den Kultur- und Kunstpreis der Zukunfts-Biennale, ein Lyrik-Stipendium der amerikanischen Lucie Stiftung, etc.

 

Seine Werke sind unter anderem auf Englisch, Deutsch, Italienisch, Griechisch, Koreanisch, Französisch, Japanisch und Iranisch erschienen.

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