Gerhard Beck

 

Gerhard Beck

 

(Deutschland)

 

 

 

Das stille Tier 

 

Das stille Tier zwischen Ja und Nein ist mir wohlvertraut

Rabenschwarzes Gefieder streichelt meinen blauen Mund

Wenn ich spreche wird meine Zunge taub wie Schnee

Und Unwiederbringlichkeiten zermartern meinen Willen

 

 

 

Fehl 

 

Mein Fehl gleicht tätowierter Haut

Für alle Zeit gezeichnet

Klagen gebären wilde Bienen

Die in meine Augen stechen

 

 

 

Gerede

 

Närrisches Gerede aus blutenden Mündern

Täuscht mein Bewusstsein

Meine Schreie verstummen

Die Wirklichkeit hat mich verraten

 

 

 

Hinderung

 

Die Bläue des Abends schwelgt

Ich habe Prügel eingesteckt

Pläne segeln durch meinen Kopf

Bin ich hier der Protagonist ?

 

Zweifel senken sich in mein Hirn

Langsam träufelt Gift

Der Tod windet sich

Und mein Traum erlischt

 

 

 

Kiesel 

 

Mein Sprechen scheint wie eingewurzelt.

Die Worte fallen in dunkle Tiefen.

Niemand kann mich hören.

Ich spucke runde Kiesel aus

 

 

 

Saumselig 

 

Die Kühnheit ließ auf sich warten

Das Meiste zerrann in einem Fluss

Es zerbarsten die Ziele

Die Ströme kehrten sich um

 

 

 

Schwarze Vögel 

 

Aus den stumpfen Spiegeln flattern schwarze Vögel

Ich schäme mich für meinen Tod

Die Zeit versenkt sich in sich selbst

Die Musik spielt ohne Ton

 

 

 

Asperger

 

Allerfrühste Kindheit

Was fehlt ? Die Ärzte wüssten es gerne.

Verzögerungen, Einschränkungen

Praxisferne und Menschenunverstand

Schau mich nicht so an, so starr.

 

Wo ist die Bedeutungsfülle ?

Viel zu nah am andern Menschen

Und diese Sprache, so altklug

Und dieses endlose Verharren.

 

Wenig Wechselseitigkeit

Wo bleibt die Einfühlung ?

Stattdessen: Zwanghaft und rigide

Und auf alle Fälle lebenslänglich

 

 

 

Sapere aude

 

Meiner Angst habe ich mit Kühnheit getrotzt

Nichts kann mich mehr erschrecken.

Die Dunkelheit weicht der grellen Helle

Das Schlottern dem mutigen Wagnis

 

Ich trau’ mich endlich laut zu sprechen

Die Worte fließen kühn aus meinem Mund

Kommt nur her, ihr feigen Hunde

Mein Verstand zeigt sich Euch mit Bravour

 

 

 

© Gerhard Beck

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vita/Lebensstationen:

Geboren 1951

Nach Besuch des Gymnasiums mehrere Studiengänge abgebrochen.
Tätigkeit als Taxifahrer.
1999 wurde ein Asperger-Syndrom diagnostiziert.
Seit 2001 Rentner wegen voller Erwerbsminderung.

 

http://the-art-of-autism.com/poets/gerhard-beck/

http://www.saatchiart.com/Gerryblue

 

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