Gabriel Daliş

 

 

(Rumänien)

 

 

 

 

 

 

bei dir zuhause

 

ich bin zu dir nachhause gekommen, um zu schweigen

damit auch du von heute an jemanden hast, vor dem du dich verstecken kannst.

damit wir einen punkt machen, eine linie ziehen,

eine kräftige linie aus kokain

von der tür bis zu einem der fenster.

soll ich mich ausziehen und von der pförtnerin

über den hohen zaun hinweg einen anderen brief verlangen?

es ist nicht die wärme eines busens unterm kinn,

auch nicht im schubfach mit den löffelchen, noch in irgendeinem buch,

oder wenn ich unter den stühlen schwimme, verdeckt mit

weichen daunendecken, sprechenden.

 

 

selbstporträt

 

immer blinder werde ich, wenn von menschen die rede ist.

sehe nichts als alte fenster wie sie aus den wänden

fallen

auf enge gassen

voll anderer leute.

es ist, als wäre ich ein wiedergeborener,

auf einem vordach erwacht.

in mir selbst bin ich zur gestalt geronnen

wie das blut unterm sturz,

ich schlafe in einem beängstigenden und tiefen bett,

und da ist kein traum, und auch nichts waches.

gerne versteck ich mich

und suche gerne,

bin wie ein großer weißer hund,

der eben erst gefunden wurde.

 

 

die lampe

 

mein haus einreißen,

das vieh im hof erwürgen

mit bloßen händen.

 

eine frau belügen bis sie mich liebt

sie an eine mauer fesseln

ihr mit der schere die haare abschneiden

ihre bläßhühner mit der schaufel erschlagen

die wangen ihr mit kaltem speichel

hauen.

 

dann mich niederlassen

auf dem boden

wie sich der staub niederläßt

auf einer lampe, die

brennt.

 

 

vernichtung

 

und habe auch knochen

und diese so einerseits

und ich so andererseits

und finger die kleben aneinander

und esse mit der hand.

und bewege mich immer leichter

und verschwinde mitunter sogar

und tagelang findet mich keiner mehr.

und bin eingemischt ohne dich

und weine in tiefe schüsseln.

und bin es gewohnt entweder du oder ich zu sagen

und entweder du oder ich zu verteidigen

und zu erscheinen entweder du oder ich

und alles ausschalten.

und sage schnell wörter die man nicht hört

und schreibe schnell nur wörter die man sehen kann

und zünde sie an

und höre manchmal auch zu wie das messer gezückt wird.  

 

 

april

 

bin nun öfter mal da wo

ich keinesfalls sein will,

an alle häuser gelehnt

auf je einem stuhl.

wo ich meine

man könne mich nicht hören.

ich rannte hinauf.

zählte 99 meter und

stürzte

heute morgen. 

bin ganz schrecklich allein seit

heute morgen.

aber ich konnte noch jeden winter

so verweilen.

 

 

zuhause gibt es nicht

 

wie einsam ich war und du kamst aus dem haus

mit vollgestopften koffern stets zu erschrecken.

mit all deinen kollegen kehrtest du zurück in mein zimmer

wenn ich schrieb. überall

hier.

als du meine schwächen kanntest

wurdest du hausfrau

und hast mir mit einem trikot den namen bedeckt und

über mein bett eine

plastikfolie gelegt.

 

 

 

ana frank     

 

bettdecken schlägt man auf

wie fahrräder.

 

ich verschwinde umsonst.

 

das zählen

beginnt –

 

die hohen dächer

doppelte hüte

umarmungen die straßen verdecken.

 

das tier kennt deine einsamkeit

und zählt dich aus.  

 

 

 

(aus dem Rumänischen von Ernest Wichner)

 

 

 

 

 

http://gabriel-dalis.blogspot.com/

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