Floarea Tutuianu

 

Süchtig nach ihm

 

Ich bin eine geruch- und farblose Frau,
vor allem aber blaß im Gesicht,
weil mein Vers mir die Kraft verzehrt
(ich bin 10% schwächer als die Kraft
meines Verses).
Wo ich besiegt bin, siegt er immer wieder
und sein Sieg bezwingt mich
(ich bin süchtig nach ihm).
Doch sind seine Siege sanft und
meine Niederlagen – unerbittlich,
(ich beiß’ mir ein Stück ab und geh’ weiter)
Er ist mein Teufel:
«Aus dieser Frau form’ ich das Nichts.
Und aus dem Nichts den Vers, ihren
Sohn, der sie im Gedicht beschlafen soll»
Er ist eine andere Art Gott…

Ich besitz’ die Schwäche – doch sein ist die Macht.

 

 

Der Spiegel

 

Dieser Spiegel erkennt mich nicht mehr
lacht ein Lachen, das nicht meines ist

Sooft mein durst’ger Hals sich dringend
nach dem Stricke sehnt,
setzt ein weit’rer sonniger Tag dem Zufall
ein Ende
(ein jedes Mal verschoben auf den
nach nassem Hundefell riechenden Tag)
An Tagen, an denen es nieselt,
verkauf’ ich mich teurer,
weil ich traurig bin
Anmutig, gedankenvoll wogend wie Schilf
schrieb ich (recht und schlecht) ein Gedicht
mit überschrittenem Alterslimit

Dieser Spiegel erkennt mich nicht mehr
lacht ein Lachen, das nicht meines ist

 

 

DIE FISCHFRAU

 

An dir ist alles verkehrt:
Die feinen Fußknöchel stützen große Brüste,
der zur Schau getragene Sexappeal – verpackt
in einer echt coolen Gefühlskälte.
Ich hab’ Humor
und eine Menge Männer,
die ich mir vom Leibe halte.
Die meisten von ihnen glauben,
es gäbe einen engen Bezug
zwischen meinem Hals und der Telephonschnur.
Weil ich Frauen mag,
hab’ ich die Männer auch dran gewöhnt
(sie mögen Gauguin!).
Ihre Köpfe bleiben verdreht.
Wir tauschen Leiber aus.
Eine jede stinknormale Frau würd’ nun
ein gutes Ende nehmen
(keines mit eingezogner Schwanzflosse).

Meine Schuppen bleiben ihnen lange Zeit
am Hirn kleben.

 

 

Übersetzung: Alexandru Sahighian

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