Einführung

 

EINFÜHRUNG

 

 

DAS GELD IST DASDES TEUFELS

 

 

   In diesen Zeiten der Orientierungslosigkeit, wo die „Ethik“ der Geschäfte aller Art an die Stelle jeder Ethik getreten ist, erleben wir Tag für Tag die Vernachlässigung und die Mißachtung der menschlichen Werte. Die Umwandlung von Ertragsstreben und Egoismus in moralische Regeln ist in vollem Aufschwung. Nichts scheint mehr Sinn zu haben, und unsere früheren Lebensgrundsätze verlieren an Gültigkeit. Die Herausforderungen der Post-Industrialisierung haben die Zivilgesellschaft schwer erschüttert. Unsere Gesellschaft ist zum umkämpften Markt unserer Fähigkeiten und Interessen, unserer Stärken und Schwächen geworden.

   Die Krise der Werte ist die schlimmste der weltweiten Krisen. 

In dieser Hinsicht ist unsere Epoche eine Zeit der Unruhen, des Übergangs und des geopolitischen Verfalls. Während die materiellen und intellektuellen Fortschritte beachtlich sind (die Gesellschaft ist zur Bühne geworden, auf der sich Finanzjongleure, Käuflichkeit, Vulgarität, Dummheit, Grausamkeit und Gewalt ablösen), ist die Entwicklung der Moral irgendwann steckengeblieben; hier scheint die Welt sich nicht weiter-, sich gar zurückzuentwickeln. Die Menschen, desorientiert, manipuliert und von Fragen der Finanzkrise (das Geld ist das Auge des Teufels!) und der verschlechterten Lebensbedingungen eingenommen, opfern dem Wohlstand ihre moralischen Interessen. 

   Täglich nehmen die von Armut, Vereinzelung und Verzweiflung verursachten Verwüstungen zu. Die Zahl der Verbrechen, der Einbrüche, der Selbstmorde steigt. Immer mehr Menschen sind mittellos, obdachlos, von der Familie und der Stadtgemeinschaft im Stich gelassen. Jugendkult, Gesundheit und körperliche Schönheit, Ehrgeiz, Dynamik, Kaltblütigkeit, Wachsamkeit, Frohsinn, Hilfsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit, ein Minimum an guten Eigenschaften ist auf dem gesellschaftlichen Markt mit wirtschaftlichen Zielen zu verkaufen und zu kaufen… Alles ist schon gesagt… Vorbei ist es mit Güte, Nächstenliebe, Respekt, Menschlichkeit und Wohlwollen gegenüber dem andern! 

   Sind das die Auswirkungen einer sado-masochistischen Gesellschaft, die gegen die Wand fährt? Auch das, aber nicht nur das.  

   Und wozu sich immer wieder in Erinnerung rufen, was wir schon seit einigen Generationen erleben: die nachlassende Menschlichkeit, den Konsumkrieg? 

   Sind wir zu klein und ohnmächtig, zu menschlich und zu bescheiden, um laut zu protestieren? Aber wenn wir schweigen, wenn wir so tun als ob, wenn wir unser Gewissen preisgeben, nicht mehr reagieren, wie sollen wir dann überleben? Der Verlust von Sinn, Wesen und Ideal macht uns zur Hölle dessen, was uns als Seelen und träumende Wesen eint und unterscheidet. Ohne Seele sind wir unfähig zu lieben. Ohne Traum können wir nicht mehr hoffen. Ohne Liebe und Hoffnung sind wir die Spielmarken der wirksamsten technischen Entdeckung des 21. Teufels (Teufel = Jahrhundert), und unser Dasein wird gänzlich automatisiert. 

   Hier, mitten in unserem natürlichen, leiblichen Dasein ist die Kultur gefährdet, wird sie an den Pranger gestellt, als Vertreterin der Sprachen, der Sitten und Gebräuche, des Glaubens und der unserem Menschenwesen ureigensten Schöpfungen. 

   Begründet die Menschlichkeit die Kultur oder umgekehrt? 

   Die Antworten haben als gemeinsame Schlüsselwörter: ECCE HOMO! Und nicht irgendeinen Menschen, sondern den Schöpfer unserer Gesellschaft. 

   Es gilt, diesen empfindsamen Kulturmenschen vor den katastrophalen Werten der Profitgier zu schützen: den Künstler, den Schaffenden, den Denker, Sänger, Dichter, Maler, Philosophen. 

   Vor diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund, in dieser grauen, lauten Landschaft, wo die menschlichen Werte in einer schrecklichen wirtschaftlichen, politischen und bürgerlichen Krise herabgesetzt und geringgeschätzt werden, müssen wir mit unseren Mitteln die Kultur und die kulturelle Bildung, diese Kennzeichen der Menschheit unterstützen. 

   Levure… (Hefe…), dieser ethische und ästhetische Gärstoff, ist eine Erhebung künstlerischen Denkens, ohne Subventionen, ohne anmaßende Ansprüche, ohne Snobismus und berühmte Rezepte. Ein Projekt unabhängiger Künstler, die es wagen, gegen den technologisch-fortschrittsgläubigen Transhumanismus zu kämpfen, gegen die Automatisierung und die gewöhnliche Kommerzialisierung des menschlichen Geistes. 

   Wir reagieren gegen alles, was uns von unserer empfindsamen Natur entfernt, mit zwischenpersönlicher, auf die Gruppe bezogener Kommunikation, die auf menschlichen Werten fußt. 

   Levure… ist der konkrete Ausdruckunserer Bemühungen in den Ländern, die an unserer interdisziplinären, mehrsprachigen Forschung teilnehmen, um gegen die geistige Verarmung anzukämpfen, mit dem kulturellen Engagement als globaler Strategie. 

   Levure… bietet das interdisziplinäre Talent als Währungseinheit unserer Gegenwart an. 

   Levure… setzt Kunst und Literatur, Stichhaltigkeit und Subtilität in Form und Inhalt gegen die Barbarei. 

   Levure… steht im Dienst der Kulturen, für das Aufkommen neuer Gedanken und neuer Autoren, und fördert die intellektuelle Debatte und die Kreativität in der Harmonie der Sprachen und ihres kulturellen Erbes. 

   Das Ziel unserer bescheidenen Online-Zeitschrift ist es, mindestens einen guten Künstler aus seiner unfreiwilligen Anonymität zu holen und die Dinge da in Bewegung zu bringen, wo die großen Medien Grenzen ziehen gemäß ihrer Hierarchien, ihrer Ranglisten und ihrer kommerziellen Interessen. 

   Die Digitalisierung gibt unseren Mitarbeitern die Gelegenheit, ihre künstlerischen Gewißheiten darzulegen, in aller Freiheit und unter Beachtung der grundlegenden Werte. 

   Internet hat die Probleme der Verbreitung von Gedanken abgeschafft. Die Konzentration und Inflation des Medienmarktes, der Zwang zur schnellen Umwälzung der Bestände sind keine Hindernisse mehr. Um bekannt und gehört zu werden, greifen wir auf das Talent unserer Freunde und ihrer Freunde zurück… So emanzipieren und entwickeln wir uns auf der Grundlage freundschaftlicher Beziehungen und kultureller Zusammenarbeit. Wir brauchen ganz einfach freiwillige Talente (Levure … ist nicht kommerziell). 

   Wir reichen die Hand denen, die ihre reichen wollen, um sie zu grüßen und um ihre Botschaften weiterzugeben. 

   Unsere treuesten Leser sind diejenigen, denen an gegenseitigem Austausch, am freundschaftlichen Schenken liegt. 

   Es kann sein, daß auch wir eines Tages scheitern werden, wie es derzeit vielen Vereinen, Gesellschaften Festivals, Buchmessen, Schriftsteller- und Lyrikhäusern, Zeitschriften und Magazinen ergeht, aber wir werden zumindest einen Versuch gemacht haben. 

   Natürlich stehen wir erst am Anfang unseres kleinen Unternehmens. Voller Hoffnung und Energie wollen wir mit unserem „geistigen Brot“ mindestens einen kulturellen Vertreter jedes Volkes nähren. 

   Die Kultur ist die Seele einer nachhaltigen Entwicklung. Wir glauben an sie. Wir unterstützen auf unsere Art Kultur und Erziehung, diese unverzichtbaren Grundlagen jeder individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung.

 Post-scriptum : Wir bewahren uns unsere Arglosigkeit und unsere Naivität…  

 

 

Rodica Draghincescu

verantwortliche Herausgeberin

übersetzt von Rüdiger Fischer

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