Einführung

 
 

KULTURELLE FREUNDSCHAFT

 

 

Der beste Freund ist der Freund einer Person (ich, du, er, sie), mit dem die Person (sie, er, du, ich) Bande geschaffen hat (herzl- ich)

 

C:\Users\rodica\AppData\Local\Temp\Rar$DI08.577\P5050459.JPG

Taslima Nasreen (Bangladesh-USA) & RD (F), Centre Pompidou, Metz, Frankreich 2011

 

bevorzugte Neigungen, die über die gängigen, gewöhnlichen Beziehungen hinausgehen und die sie mit den anderen Personen verbinden, die jene Person als Freunde (dem Herzen nahe Ichs) gewonnen hat.

 

Die Freundschaft pflegt die Sympathie, die gegenseitige Unterstützung, den Halt, die Uneigennützigkeit, die dauerhafte Solidarität.

 

C:\Users\rodica\AppData\Local\Temp\Rar$DI07.609\P5050432.JPG

Pascal Didier (F), RD (F), Taslima Nasreen (USA), Brigitte Albertus (F), Centre Pompidou, Metz, Frankreich 2011

 

Im reinen Zustand wäre die Freundschaft bedingungslos. Sie ist mehr als individuelle, zeitliche Werte. Das Vergehen der Zeit dürfte ihr nichts bedeuten. Sie ist ein Geistes-, ein Seelenzustand, Frucht der Gelassenheit, die die Menschen eint, sie stärker und für die Geheimnisse des Lebens offener macht. Die frei gewählte Sympathie beschränkt sich nicht auf Paare in Liebe und Freundschaft, sie könnte auch die Verständigung zwischen den Kulturen darstellen.

 

C:\Users\rodica\Documents\Rodica\TERANOVA PHOTO 1.JPG

Linda Maria Baros(F), Aurel Maria Baros (Ro), Dorothea Fleiss (De), RD (F), Metz, Frankreich, 2006

 

So wäre die Freundschaft gleichbedeutend mit dem, was die Griechen Philanthropie nannten, die Neigung zum Zusammenleben.

 

Leben wir in Freundschaft!

 

C:\Users\rodica\Documents\Rodica\Teranova photo 2.JPG

RD (F), Marie-Christine Vincent (F), Dorothea Fleiss (De), Jean-Luc Kockler (F), Metz, Frankreich 2006

 
Die Freundschaft ist Zuneigung, Zugehörigkeit und Zuspruch auf Gegenseitigkeit, zwischen Personen, die nicht zu einer biologischen Familie gehören. Freunde sollten nie schlecht oder schwatzhaft übereinander sprechen, einander verachten oder verurteilen.

 

Im alten Griechenland zeigte sich die Freundschaft in den Worten vor und nach der Beziehung zwischen Menschen, die Neigungen, Vorlieben, Gedanken und Berufungen teilten, ohne Engstirnigkeit, Ideologie, Beschränktheit und Egoismus. Die griechischen Philosophen waren der Auffassung, daß nur das Gespräch miteinander die Bürger zur Polis vereinte, zur Stadt des Friedens und der schützenden Weisheit. Im Dialog zeigte sich die politische und kulturelle Bedeutung der Freundschaft (jede Politik war eine Form der Pflege des Politischen und der Politeia, der entwickelten, organisch gewachsenen Gesellschaft mit ihren Gesetzen und Bräuchen); jede Kultur war durchtränkt von Politikè, der politischen Kunst jeder Polis und ihren Beziehungen zum eigentlichen Leben der Gemeinschaft. Der Dialog unterschied sich von den vertraulichen Gesprächen, in denen verwandte Seelen sich über Liebeskummer oder empfundene Freuden austauschten.

 

C:\Users\rodica\Documents\Rodica\TERANOVA ARRABAL 2004 II.JPG

Camille Aubaude (F), Philippe Krebbs (F), RD (F), Fernando Arrabal (F-Es), Metz, Frankreich 2006

 

Der Dialog der griechischen Philosophen lehrte die Menschen, nicht in kriegerische Wildheit zurückzufallen, beim Sprechen Für und Wider zu bedenken, Gedanken auszutauschen, Orte und Bande des schöpferischen Gespräches und des philanthropischen Teilens entstehen zu lassen.

 

Zwiegespräch heißt diskutieren, sich unterhalten, vortragen, beratschlagen. Alles, was nicht Gegenstand eines Dialogs, einer Diskussion oder einer Erörterung werden kann, läuft Gefahr, in einer Nacht zum Schrecken oder zum Geheimnis auszuarten, entsetzliche Mittel und Wege zu finden, um in der Welt in einer notwendigerweise unmenschlichen Art zu ertönen (widerzuhallen, zu explodieren). Wie schrecklich die Dinge der Welt uns auch treffen, wie tragisch sie uns auch beeinflussen, bewegen und anregen mögen, im Gespräch werden sie bekämpft und unter Kontrolle gebracht. Wenn wir sie im gemeinsamen Gespräch darlegen, erörtern wir sie.

 

Dialog ist Denken zu zweit, einem Gedanken über die erklärenden Worte hinaus folgen (dia durch, logos das Wort), dem anderen folgen, ihn verstehen. Um zu folgen, muß ich begriffen haben…

 

Pflegen wir die Offenheit des Dialogs, des Gesprächs, verständigen wir uns besser in unserem Leben! Machen wir menschlicher, was in der Welt geschieht, indem wir miteinander sprechen und dabei lernen, großmütig zu sein und die Welt mit andern zu teilen. Bekämpfen wir jede Art der Entfremdung und der zerstörerischen Verneinung!

 

CULTURAL FRIENDS

 

C:\Users\rodica\Documents\Rodica\100_1441.jpg

ADONIS (F), RD (F), Dornbirn, Österreich 2006

 

FREUNDSCHAFTEN, WESENSVERWANDTSCHAFTEN, GEFÜHLSBEZIEHUNGEN

 
Die Freundschaft ist die vollkommene Form der Uneigennützigkeit. Diese neue Ausgabe von LEVURE LITTÉRAIRE (Nr. 3) ist einigen Gruppen von Freunden (Schriftstellern, Philosophen, Journalisten, Soziologen, Ethnologen, Malern, Musikern, Fotografen und anderen Künstlern) gewidmet, die uns stolz und freudig ihre eigenen Freunde vorstellen, schöpferischen, miteinander freundschaftlich und in fruchtbarer Solidarität verbundenen Menschen aus aller Herren Länder. Sie begegnen sich in geographischer oder kultureller Nähe, von denselben Werten, Vorlieben, ästhetischen Kriterien und Gefühlsgrundlagen bewegt. Diese Gruppen bezeugen, was sie verbindet und unterscheidet in ihrer freundschaftlichen Zusammenarbeit. Für unsere Leser stellen sie ihre Ähnlichkeiten dar, ihre Erfolge und Erwartungen. Es ist nicht kindisch und nicht gefährlich, nicht altmodisch und nicht vergeblich, anderen die Hand zu reichen, mit Liebe und Achtung zu begegnen. Es ist nicht überholt, im 21. Jahrhundert das Thema der Freundschaft zu behandeln, unsere alten und neuen Freunde vorzustellen, Gutes von denen zu sagen, die uns mithelfen, den Kopf auf den Schultern und das Herz an seinem Platz zu bewahren.

 

C:\Users\rodica\Documents\Rodica\162_gdvernissage-AZanoni2740.jpg

RD, Jean Orizet, Camille Aubaude, Lilac, Metz, Frankreich 2006

 

Wie haben wir dieses Projekt über die Freundschaft entworfen und zusammengestellt? Wie diese Familien von Freunden zusammengeführt? Mit Hilfe welcher Netzwerke? Nur auf den natürlichen Wegen der kulturellen Freundschaft, die zwischen unserer Publikation und unseren Mitarbeitern entstanden sind, zwischen unseren Freunden und den Freunden unserer Freunde.

 

Wir haben unsere Mitarbeiter und Freunde zu LEVURE LITTÉRAIRE  3 eingeladen. Diese haben ihrerseits ihre Freunde und ihnen mehr oder weniger nahestehende Menschen aus ihrer künstlerischen Verwandtschaft zur Teilnahme aufgefordert, Menschen, die ähnliche Vorlieben, Beweggründe, Ideale und Leidenschaften haben. Einander die Hand reichend, sich zusammen zeigend, haben sie durch Worte und Handlungen, durch Zusammenarbeit und in ihren Grenzen, durch Austausch und Teilen offenbart, was sie in den letzten Jahren gemeinsam auf kultureller Ebene erlebt haben. Sie haben ein lautes Ja zur Freundschaft gesagt, zu Teamwork und Gruppenarbeit, zur Synergie der Kommunikation, zum unerschöpflichen, fortdauernden Dialog.

 

In Gruppen von Freunden treten Menschen aus mehreren Ländern und geographischen Kulturen auf. Um eine hehre Sache besser zu schützen, zu verteidigen und zu bewahren: die Freundschaft im Wort und darüber hinaus!

 

Die 3. Ausgabe von LEVURE LITTÉRAIRE bietet Ihnen eine Art Quintessenz, ein Konzentrat der zeitgenössischen kulturellen Freundschaft. Klicken Sie die Beziehung zwischen einer Gruppe von Freunden an, und Sie lernen die Vorstellungswelt mehrerer Künstlerfreunde kennen, von Kulturschaffenden aus Frankreich und aus anderen Ländern (aus Deutschland, Österreich, aus den USA, aus Spanien, aus dem Kongo, aus Rumänien, Bulgarien, Kanada und der Schweiz, etc), die uns ethnische Gegenheiten, ästhetische Kriterien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Denken, ihre Auffassung über die Menschheit und über die Kunst im allgemeinen darstellen. Zusammen und einzeln treten verschiedene Individuen und eine Vielzahl an Bewegungen, Schulen, soziokulturellen Strukturen und Dimensionen auf und erlauben uns einen direkten Einblick in die Beziehungen zwischen diesen Künstlerwelten. Immer der Tatsache eingedenk, daß die heute dem anderen gewidmete Hilfe oder Aufmerksamkeit morgen von ihm ausgehen kann.

 

LEVURE LITTÉRAIRE soll ein Wegweiser zur erfinderischen Freundschaft sein. Der Hauptgedanke ist es, talentierte, unglaublich befähigte Menschen in einem interkulturellen Dialog und nicht in etwas Künstlichem, das aus erzwungener Globalisierung entstanden ist, zusammenzubringen.

 

Auch wenn seit einiger Zeit die geographischen Grenzen fast virtuell werden, bleibt eine andere Form von Grenze, eine delikate, unbeachtete oder vernachlässigte Abgrenzung bestehen: die der kulturellen Verschiedenheit.

 

Deren Platz in den menschlichen Beziehungen ist sehr wichtig, denn wenn sie nicht berücksichtigt und damit schlecht gehandhabt wird, können die von ihr geschaffenen Spannungen und Enttäuschungen zur Intoleranz führen oder sogar zum Rückzug auf die eigene kollektive Identität, zum Rassismus oder allgemeiner gesagt zum „Egoismus zu mehreren“, d. h. zu Ethnozentrismus und übersteigertem Nationalismus.

 

Bekämpfen wir mit allen Mitteln jede Form des Massenegoismus, des Rassismus, der Frauenfeindlichkeit! Dies ist die Devise dieser neuen Ausgabe unserer Publikation. Gruppen von Freunden von LEVURE LITTÉRAIRE bemühen sich, auf dem Weg der interkulturellen Freundschaft Ähnlichkeiten und Unterschiede von Land zu Land, von Freund zu Freund, von „ich“ zu „wir“ herauszustellen und daraus eine gemeinsame Quelle des menschlichen Reichtums zu machen.

 

Diese Ausgabe über die Freundschaft und Solidarität der Künstler soll Analogien offenlegen, um Unterschiede und Ähnlichkeiten besser zu verstehen, um die Toleranz und die Liebe zu unseren Mitmenschen zu festigen, für ein friedliches Miteinander.

 

Wie entdecken wir die Freundschaft dieser Gruppen von Künstlern?

 
In dieser Ausgabe unserer dreimonatlichen Publikation stellen uns die Ehrengäste ihre Freunde vor. Ausgehend von einigen Beziehungen (zum Anklicken), die jeweils für einen Gast (und seine Freunde) stehen, entstehen für Sie, liebe Leser, virtuelle Pfeile und Wege, und Sie können sich auf den Spuren unserer Freunde und Mitarbeiter und ihrer Gruppen von Freunden bewegen.

 

Die Gründe dieses Vorhabens? Schriftsteller und Künstler vorzustellen, die noch wenig bekannt, aber voller Talent sind, die Bekannten besser kennenzulernen, wieder die Musik der Sprachen und Stimmen zu hören, die erzwungene Einsamkeit zu bekämpfen, Vereinzelung und Entfremdung, Krankheit, Zweifel und Glücklosigkeit, die Gewalt und die Intoleranz des modernen Individuums.

 

 

Rodica Draghincescu

verantwortliche Herausgeberin

Übersetzung: Rüdiger Fischer

Articles similaires

Tags

Partager