Editorial

 

 

Liebe Freunde von hier und anderswo,

 

 

Levure littéraire 9

 

 

lädt Sie ein, die Werke von 160 internationalen Künstler zu entdecken.

 

 

LEITMOTIV UND DISKUSSIONSTHEMA DIESER AUSGABE:

DAS SCHICKSAL DES KÜNSTLERS. Zwischen dem «warum», dem «weil»,

und dem «ich weiß nicht» – auf dem Pfad des Schöpfers / Künstlers.

 

 

 

 

Motto:

Liegt unser Schicksal in den Sternen? Oder im Schoß unserer Mütter? In den Adern unserer Väter?

Das Schicksal – ist es Schicksal oder eher eine fortschreitende psychische Störung, die uns beherrscht?

(rd)

 

 

Foto: die Schriftstellerin Françoise Hàn als Kind

 

 

Das Schicksal – existiert es?

Einigen unserer Autoren und Künstlern war diese Frage unangenehm, anderen gab sie die Möglichkeit, sich über ihren Werdegang als Künstler oder Schriftsteller Gedanken zu machen.

 

Wir haben solch ein Thema nicht gewählt, um herauszufinden, ob es das Schicksal oder das Los wirklich gibt (oder gar nicht oder nur ein wenig oder nur ein wenig unabhängig von uns), sondern um der Frage nachzugehen, ob es auf unseren Schultern lastet. Ob davon unser Zusammenleben mit anderen abhängt. Wir haben dieses Thema auch nicht gewählt, um sagen zu können, wie schwer diese Last zu tragen ist, oder um zu testen, ob wir es kontrollieren oder nicht!

 

Es ist weder ein Thema für Psychotherapeuten oder Psychiater, noch für Hellseher oder gar Wahrsager. Es ist auch kein biblisches Thema. Dies ist ein edles Thema, voller Offenheit für die Wege der Schöpfer und der Schöpfung, als eine Alternative zu unserem wackeren und kurzen Leben.

 

Ein Berg von Fragen türmt sich auf:

 

Das Schicksal – beginnt es am Tag, an dem wir auf die Welt kommen? Endet es an jenem, an dem wir diese Welt endgültig wieder verlassen?

Ist Schicksal einfach nur ein Wort, ein Ausspruch, ein Akt des Denkens, ein Spiel der Phantasie, eine Frage oder eine unerklärliche Erklärung?

 

Die Idee des Schicksals – geht sie davon aus, dass unser Leben im Voraus und mit Leichtigkeit geschrieben oder diktiert worden ist? Ja? Aber nein! Nein? Aber ja! Von wem? Warum? Und vor allem in Bezug auf was?

 

Das Wort Schicksal stammt vom Lateinischen destinare, was wiederum fixieren, befestigen bedeutet. Aber das, was existiert, ist kein vorgeschriebenes Schicksal, ist kein unveränderlicher Lebenslauf, festgezurrt, etikettiert, sondern es sind Empfindungen, Offenbarungen, Vorahnungen, Stimmungen, Herausforderungen, tiefe Einflüsse, die unsere Vergangenheit, unsere Wurzeln, unsere soziale Umwelt, unsere Epoche, unsere Mentalität und unser Temperament widerspiegeln. Sicher, all das lastet auf dem Gang und der Entwicklung unseres Lebens, aber wir haben dem zwei weitere wichtige Worte entgegenzusetzen: Möglichkeit und Willen. Mit einiger Anstrengung sind wir sogar in der Lage, diesem Schicksal zu entkommen, das in Wahrheit nichts anderes ist, als eine Kombination von genetischen, familiären und sozialen Einflüssen, die wir mit und nach unserer Geburt empfangen…

 

Unser Schicksal – ist es ein symbolischer Weg, ein Übergang, ein schmaler, unbedeckter Pfad, eine Route, eine Gasse, eine Richtung, der zu folgen ist?

Die Antwort liegt in unserem Denken, in unseren Herzen und auf unseren Schultern. Unsere Nächsten, unsere Freunde, unsere Bekannten helfen uns, uns von dem zu befreien, was sich in Schicksal wandeln könnte, da wo Schicksal Verhängnis bedeutet. Das Risiko besteht, Ungerechtigkeiten gibt es, aber kein unabänderliches Verhängnis allein, ohne Gründe und Ursachen.

In diesem Zusammenhang sollten wir uns an das berühmte Gelassenheitsgebet erinnern: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Lassen Sie uns das Gegenteil versuchen:

„Mein Gott, gib mir die Gelassenheit, nicht zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge nicht zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, ihre Ähnlichkeit zu erkennen, aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft und Zusammensetzung! »

Beide Arten des Gebets resümieren ziemlich genau unsere menschlichen Anstrengungen, um unser Leben im Hier und Jetzt zu führen, um das Jenseits der Zukunft zu überlassen. Es liegt an uns zu lieben, zu hassen, unsere Zukunft nicht zu ertragen sondern zu ändern, sie zu rekonstruieren und in Hoffnung zu verwandeln, selbst, wenn dies niemals einfach ist.

 

Chamfort, Nerval, Drieu La Rochelle, Montherlant und Romain Gary, Hemingway, Bernanos, Pavese, Kawabata, Deleuze, Gherasim Luca, Tsvetaïeva, Woolf, Zweig, Yukio Mishima, Celan etc… Jedes Jahr, sterben mehr als eine Million Individuen durch Selbstmord.

 

Wie viele von uns begeben sich täglich auf den Weg des Wagnisses? Und den des Risikos? Und des Nichts? Und jenen der Kunst? Und der Lehre von der Einsamkeit, der Unsicherheit, des Zufalls, der großen Lotterie des Unbekannten, der Sinne und der Emotionen?

 

Ars est systema præceptorum universalium, verorum, utilium, consentientium, ad unum eumdemque finem tendentium!

Die Kunst ist das System der universellen Lehren, wahr, nützlich, von allen geteilt, das zu einem einzigen Ziel führt! – Nach Galenos von Pergamon, griechischer Arzt und Philosoph (129 bis 216).

Wie viele von uns begeben sich auf den Weg des Wortes, wie ein Unterpfand, wie ein Akt der Sprache und des Einsatzes für das Leben, denn Sagen bedeutet Tun und Tun bedeutet Sagen und Teilnehmen.

Sprechen, erzählen, malen, singen, tanzen, schreien, dichten, unseren Kampf aufnehmen, unser Glück/Pech, unsere Schwerelosigkeit, unser Ideal einer universellen Botschaft. Wie viele von uns begeben sich auf den Weg der Kunst?

Sagen und schreiben, auf einen Blick. Sagen und schreiben, von einem Zeichen zum nächsten, von einem Schweigen zum folgenden, von einem Würfelwurf zum nächsten, einem Herzschlag zum anderen. Sagen und schreiben, alles auf einen Streich, mit einem Wort, einer einzigen Träne, einem einzigen Schrei, einem einzigen Versfuß.

 

Den Weg vom Inneren des Künstlers nachzeichnen. Ein einzuschlagender oder zu malender Weg, wie ein zu eroberndes Herz, denn wir sind allein und wohl der kreativen Einsamkeit ausgesetzt. Im Rhythmus des Lebens trommeln, das Herz auf den Kopf gestellt, dem gesunden Menschenverstand entgegengesetzt!

Sind die Fügungen des Schicksals gelenkt von einer personifizierten oder unpersönlichen Macht? Und unsere Freiheit, nicht frei zu sein, verschmilzt sie mit der Vergangenheit unserer eigenen Hoffnung oder mit der Gegenwart? Vergebens alle Hoffnung, dem zu entkommen. So philosophierten die antiken Griechen. Für sie war das Leben nichts als eine Tragödie, denn das Ende erwartete jede belebte Seele, jeden Menschen. Keine Macht kann uns davor bewahren? Kein Ausweg? Nicht einmal die schönste innere Kraxelei? Außer, vielleicht, die Magie und die Harmonie der Schöpfung und der künstlerischen Kreativität.

 

 

 

Rodica Draghincescu

 

 

Das Los der Autoren und Künstler?

Welch seltsame Reise zu den einzigartigen

Schicksalen!

 

 

 

 

Dieses Thema über die Autoren, die Künstler und ihre Schicksale scheint wie eine Reise zu entlegenen Galaxien, wie das Fass der Danaïden, ein Brunnen ohne Boden, so breit und vielfältig ist dieser Stoff.

 

Also lasse ich mich nun von flüchtigen und unverbindlichen Ideen geleiten.

 

Sicher hat die Redaktion der Levure littéraire das Thema nicht vorsätzlich so geplant, aber es passt aktuell zu der bemerkenswerten Ausstellung im Musée d’Orsay (Paris) mit dem Titel „Der Selbstmord der Gesellschaft », die sich der Sichtweise des Antonin Artaud über das Leben und Werk von Vincent van Gogh widmet. Wir können dort seltene und hervorragende Werke von Vincent van Gogh entdecken. Sie werden entschlüsselt von Antonin Artaud, der unter Berücksichtigung der allgemeinen psychiatrischen Erfahrung, einen pointiert persönlichen Blick auf das Werk dieses stigmatisierten Malers wirft. Wir entdecken die engen Beziehungen und Ereignisse zwischen diesen Brüdern der Verzweiflung. Zwei Leben, zwei Tragödien, aber auch zwei seltene Gesamtwerke von hoher Intensität. Beide verbanden die Kunst mit der Dramatik.

 

Vincent van Gogh wird allein bleiben in seinem Weizenfeld angesichts des Krähenschwarms und Antonin Artaud opferte sich für die Ewigkeit:

 

   „Mit deinen Augen wie ein blockierter Klingelton Antonin

      Wie ein verdammter Frühling …. / … « 

 

So beschrieb es René Guy Cadou, er starb in einem Krankenhausbett, zermürbt vom Nicht-Leben.

 

Die Dichter und Künstler, die Verdammten, drogensüchtig, gehängt, gestreckt und gevierteilt, vorzeitig verbrannt, eingesperrt, auf die Anklagebank gesetzt und von der Gesellschaft an die Wand gestellt – sie bilden eine endlose Reihe.

Es ist wie der kleine gewöhnliche Wahnsinn.

 

Unmöglich, all diese Ausgelieferten eines gutmeinenden und moralisierenden Systems aufzuzählen, alle diese gebrochenen Schicksale. Schicksalspiel oder Autosuggestion? Marginalisierte oder verkümmerte Geister?

 

Ich will es versuchen, so wie die Namen der Schriftsteller und Künstler mir spontan einfallen.

 

In der Ferne sehe ich François Villon, der, von Gefängnis zu Gefängnis, vielleicht am Galgen endete. Und einen weiteren Elends-Bruder, Rutebeuf, den satirischen Dichter vom Unglück des Lebens. Was, armer Rutebeuf, ist aus dir geworden?

Und dieser unglückliche André Chénier, der durch Zufall verhaftet, eingesperrt und geköpft wurde. Dank an die revolutionäre Justizwillkür!

 

Nicht viel beneidenswerter, Gérard de Nerval, dessen Gastspiel in der Poesie im blassen Schein einer Lampe endete, sanft von einem Seil baumelnd.

 

Arthur Rimbaud war noch sehr jung, als er von einem Krebstumor im Knie dahingerafft wurde, das man zu amputieren geplant hatte. Wie sein Kumpel Paul Verlaine, der, von seinen Exzessen verbraucht, mit einer Lungenembolie davongetragen wurde.

 

Denken wir an Robert Desnos, der sich der Machtspirale und dem System verweigerte und dafür in einem Konzentrationslager starb, dramatische Ironie des Endes. Wie sollte man nicht, angesichts der Konzentrationslager, an den Maler Zoran Music und den Bildhauer Shlomo Selinger denken, die im letzten Moment inmitten von Leichen gefunden wurden, als amerikanische Soldaten ihre Lager befreiten. So wie unser armer Max Jacob, der im Lager Drancy mangels Fürsorge an Erschöpfung starb, und für dessen Freilassung, leider zu spät, einzig Jean Cocteau alles in Bewegung gesetzt hatte.

 

Und Pablo Picasso, der dafür nur eine läppische Bemerkung der Art übrig hatte wie: „Max ist ein Engel, er wird sich selbst befreien … / … » Zweifellos hatte er bereits vergessen, dass Max Jacob ihn lange beherbergt und sogar in einer Behörde gearbeitet hatte, damit er weitermalen konnte.

Schon etwas näher bei uns, kristallisieren sich andere Bilder im Dunkeln der Erinnerung heraus, ja hier, der Maler Nicolas de Staël auf dem Gipfel seines Ruhms, der von seiner Terrasse stürzt, ein Unfall oder ein bewußter Akt? Vergessen wir auch nicht Mark Rothko, dessen immer dunkler werdende Werke ihn in einem Blutbad liegend bei sich fanden.

 

Frida Kahlo, die ebenfalls ihr Leben wie eine verbrauchte Seele verbrachte, verdammt, eingeschlossen in einem invaliden Körper.

 

Der Dichter Ilarie Voronca, der das Unsichtbare durchquerte, um nie wieder von dort zurückzukehren.

 

Alle diese Geschundenen haben das Leben durchschritten, wie man sich in die Wüste mit der Illusion auf einen Tropfen Wasser als einzige Wegzehrung wagt.

Als ob sie das Absolute wie ein anderes Licht mit der Leidenschaft einer verhängnisvollen Frucht suchten.

 

Und dieser unglückliche Joé Bousquet, den eine hinterhältige Kugel in den Schützengräben des Horrors und der Absurdität niedermähte, um ihn lebenslänglich ans Bett zu fesseln.

 

Sicher bei dieser endlosen Aufzählung ist, dass alle in den Feuern der Leidenschaften brannten, auf den Scheiterhaufen des unerklärlichen Schicksals.

Vielleicht haben sie eine andere Stille, andere Träume gefunden?

 

Diese Sternschnuppen durchkreuzten auf der Suche nach ihren Utopien ihre Jahrhunderte, verstümmelt von der Ironie des Lebens, mit dem ewigen Verlangen nach dem Absoluten.

 

„Das Absolute dieser Flügel bevor man ihn beschneidet. » wie es der Dichter und Maler Roger Milliot ausdrückte, bevor er im trüben Wasser der Seine versank. Dieses universelle Wasser, „gnostisch », wie er es nannte.

 

Alle diese Dichter, Künstler, Schöpfer flochten Blumensträuße aus dem Ekel, aus dem Abscheu einer Gesellschaft, die ihre Schreie eingemauert und ihre prophetischen Visionen verfinstert hat, dabei in ihrer tiefen Einsamkeit einzig von der Präsenz des Todes begleitet.

 

 

Übersetzung: Jörg Becken

 

 

 

Michel Bénard

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zeitgenössisch sein bedeutet nicht, der Zeitkrise ziellos zu folgen, mit ihren Strömungen und Wendungen, gedankenlos, ohne jegliches Bewusstsein, sei es kollektiv oder selektiv. Ganz im Gegenteil, wir müssen uns bei klarem Verstand und mit Scharfsinn zu unserer Zeit bekennen, jedoch stets Abstand bewahren, sowohl räumlich als auch zeitlich, um die finsteren Spuren und Flecken auszugrenzen. Der Zeitgenosse ersetzt die Vergangenheit nicht durch die Gegenwart, er ist auf der Suche nach dem, was die Gegenwart umfasst.

 

 

Rodica Draghincescu,
verantwortliche Herausgeberin

Übersetzung :

Tim Mücke (Berlin)