Editorial

 

 

Liebe Freunde von hier und anderswo,

 

 

Levure littéraire 12

 

 

lädt Sie ein, die Werke von 200 internationalen Künstlern zu entdecken.

 

 

LEITMOTIV UND DISKUSSIONSTHEMA DIESER AUSGABE:

Widerstandslager und Bewusstseinsfelder

 

 

 

 

 Liebe Freunde von nah und fern,

 

 

wir möchten euch einladen,  unsere prall gefüllte 12. Ausgabe der LEVURE LITTERAIRE  zu erkunden.

 

Widerstandslager und  Bewusstseinsfelder heißt das Motto dieser Aufgabe. Ein weites Feld! Ein Thema, das vielfältig ist und u.a. auch viele Aspekte unserer Zeit anspricht.

 

Als wir uns für dieses Thema entschieden hatten, war uns noch gar nicht klar, wie sehr die zukünftigen Beiträge sich von der Gegenwart nähren werden und wie sehr sie sich auf  bestimmte Aspekte fokussieren werden: E/migration, Exil und Flucht.

 

Das Fluchtdrama, der Verlust von Heimat, aber auch die Ambivalenz der Gefühle gegenüber den Flüchtenden, sind die wichtigsten Aspekte, die sich aus unserem Thema herauskristallisiert haben. Viele unserer Autoren haben sich damit künstlerisch, essayistisch, philosophisch auseinandergesetzt. Daraus sind beeindruckende Beiträge entstanden u.a. auch berührende interdisziplinäre Projekte, wie z.B. die Zusammenarbeit der irisch-amerikanischen Schriftstellerin Emer Martin mit der indisch-amerikanischen Künstlerin Moitreyee Chowdhury, die Videokunst, Poesie und Malerei verbinden. Oder die Beiträge von Gesine Palmer, Sabine Haupt, Peter O´Neill, um einige Beispiele aus der Fülle der herausragenden Beiträge herauszugreifen.
 

 

 

 

Einige Beiträge setzen sich auseinander mit der Angst vor den immer wachsenden Kriegsherden und den daraus entstehenden Folgen. Vor den u.a. religiös geprägten Konflikten, die das Leben der Menschen in Gefahr bringen und sie selbst zu Gewalt, zu  Widerstand oder zu Flucht zwingen. Die Angst vor neuen Kriegen und Gewalt, vor Terrorismus. Sie stellen implizit Fragen, die sich auf die Folgen der durch Kriege und Armut bedingten Völkerwanderung beziehen. Die Angst vor dem Zusammenbruch etablierter politischer Systeme und Lebensweisen. Vor einem Aufeinanderprallen von Kulturen, Religionen und Interessen. Aber auch vor den Folgen ökologischer Ausbeutung und natürlicher Katastrophen.

 

Die radikalen Veränderungen vor die die Menschheit  zur Zeit gestellt wird, durch die Globalisierung des Lebens, der religiös gesteuerten Gewalt, der Kriege mit ihren alles vernichtenden  Waffen, drohen Geister, Länder, Gemeinschaften, politisch und ökonomisch bestimmte Ländergemeinschaften zu trennen, Auseinanderzubrechen. Die Veränderungen beeinflussen unser aller Leben und vermutlich in einem noch größeren Maße unser aller Zukunft. Sie sind die größte Herausforderung, der die Menschheit bis jetzt auf unserem Planeten ausgesetzt war. Aus den Beiträgen erreicht uns eine eindeutige, aber auch etwas erschreckende Konklusion: Wir werden diese Herausforderungen alle zusammen bewältigen müssen als kollektive Aufgabe, unabhängig von sozialen, politischen oder religiösen Unterschieden. Arm oder reich, ob mit oder ohne Religion. Wir alle tragen die Verantwortung gemeinsam. Dies ist die einzige Chance für das Überleben auf diesem Planeten.

 

 

 

  Carmen-Francesca Banciu

 

www.banciu.de

ttp://levurelitteraire.com/direction/

 

 

 

 

 

 

 

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Konzipiert als ethischer und ästhetischer Gärstoff, ist Levure littéraire ein Versuchsfeld für Initiative und kreatives Denken, das, ohne finanzielle Hilfe oder hegemoniale Ansprüche, einzig auf Qualität und Originalität des kulturellen Schaffens selbst abzielt. In diesen Zeiten der wirtschaftlichen Krise und besonders der großen moralischen Krise, in denen der Frieden, die Bildung und die Kultur nicht gerade auf der Tageordnung stehen und es nicht mehr angesagt ist, den Humanismus zu pflegen, versucht Levure littéraire mit euch einen geheimen Ausweg zu finden, einen ruhigen Ort, um mit den tagtäglichen Barbareien und Vulgaritäten fertig zu werden.

 

Die Leveure Littéraire und ihre vielen atypishen Autorinnen (zwischen 100 und 200 pro Ausgabe) informieren und sorgen für Bildung – und das vier mal pro Jahr direkt auf Ihren Bildschirm -, indem sie weniger beachtete Themen und Sujets und Akteure aus allen sozio-kulturellen Landschaften (Literatur, Bildende Kunst, Musik, Philosophie, Anthropologie, Publizistik, Psycholinguistik, etc) – in ihrer jeweiligen Herkunft, ihren Ländern und Traditionen repräsentiert. Der Horizont zeichnet sich durch Gemeinsamkeiten wie Unterschiede aus; Gemeinsamkeiten, die uns bereichern, und eine thematische Vielfalt, die uns durch die beeindruckende Zahl von kulturellen Akteuren, die Vielfalt der verschiedenen Sprachen, Sensibilitäten, Geschmäcker, Bedürfnisse und Informationen betören.

 

« Wenn man von jemandem sagt, er sei meinesgleichen, bedeutet das, dass er mir ähnelt? »

 

In der Rubrik Languages, finden Sie die Ausgangs- und Zielsprachen unserer nicht-frankophonen Autoren und Übersetzer.

 

Die siebte Ausgabe von Levure littéraire enthält Gedichte, Novellen, Auszüge aus Romanen, Zeitungsartikel, literarische Essays, Gutachten, traditionelle Märchen und contes philosophiques, psychoanalytische Artikel, Malerei, Zeichnungen, Kollagen, Skulpturen, Theater- und Filmperformances, Musik (Jazz, Rock, Pop etc.), sowie Informationen zu internationalen kulturellen Veranstaltungen.

 

Mithilfe aller Beteiligten möchten wir den humanistischen Austausch bewahren und anregen.

 

Unser Ziel : neue Autoren bekannt machen, bekannte Autoren mit ihrer Erfahrung in ihrem Erfolg fördern, sowie jenen Perspektiven eröffnen, die keine mehr haben.

 

Kultur hilft uns, unser Schicksal besser zu meistern. Wir müssen wagen, sie mit anderen zu teilen – Autoren, diese « Fremden », « Seelendiebe », die uns doch faszinieren… Wir müssen die Identität des Anderen anerkennen, seine Unterschiede, seine Sprache, sein Werk und seine Kultur respektieren.

 

Wir müssen die Freundschaft pflegen! Sich von Kultur ernähren bedeutet, harmonisch im Haus des SEINS zu leben, zu reisen, mit Künstlerbooten in Länder reisen, in denen neue Möglichkeiten und Stimmen uns mit offenen Armen erwarten.

 

Wir müssen am Austausch von innovativen und befreienden Ideen unserer Kulturen teilhaben. Lassen wir die Machenschaften derer scheitern, die den Sturz der Kultur orchestrieren, indem sie ihren Verfall hinterhältig antreiben.

 

Levure littéraire ist für diejenigen entstanden, die Talent haben, die aber national oder international noch anonym bleiben, keine Beziehungen haben oder kaum die Möglichkeit, einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen.

 

Unsere Zeitschrift ist multilingual geworden, weil es Länder gibt, deren Sprache und Kultur noch verkannt.

 

Ohne Politik zu betreiben möchten wir gegen die kulturellen Parasiten kämpfen, die mit gekreuzten Armen, gefüllten Mündern und Taschen, das Aussterben der Kultur predigen. Wir prangern das Mäzenatentum sowie die Kürzung vom kulturellen Etat an, den Verfall des sprachlichen, menschlichen, ästhetischen und ethischen Verhaltens unseres 21. Jahrhunderts.

 

Schützen wir die Kunst, indem wir sie machen! Machen wir Kunst, indem wir sie verteidigen! Kunst hat stets dazu beigetragen, dass wir widerstehen, dass wir uns in Würde entwickeln, dass wir die Welt lieben und dass wir an eine bessere Welt glauben. Kunst hat noch niemanden getötet. Bringen auch wir sie nicht um. Machen wir aus ihr weder einen Spekulationseinsatz noch ein ordinäres kommerzielles Produkt. Der globalisierte Kunstmarkt ist nicht unsere Kunst, sondern erscheint uns als ANTIKUNST, eine Kunst, die Künstler und ihre Kulturen von ihrem Weg und ihrem Schicksal abbringt.

 

Durch seinen multilingualen Humanismus nimmt Levure Schaffende auf, zeitgenössische Künstler aus allen Ecken der Welt, geistige Vertreter mehrerer Völker, Kulturen, Sprachen und Traditionen, die sonst mehr oder weniger durch Angleichung und Popularisierung jeglicher Art zum Vergessen verurteilt sind.

 

Zeitgenössisch sein bedeutet nicht, der Zeitkrise ziellos zu folgen, mit ihren Strömungen und Wendungen, gedankenlos, ohne jegliches Bewusstsein, sei es kollektiv oder selektiv. Ganz im Gegenteil, wir müssen uns bei klarem Verstand und mit Scharfsinn zu unserer Zeit bekennen, jedoch stets Abstand bewahren, sowohl räumlich als auch zeitlich, um die finsteren Spuren und Flecken auszugrenzen. Der Zeitgenosse ersetzt die Vergangenheit nicht durch die Gegenwart, er ist auf der Suche nach dem, was die Gegenwart umfasst.

 

 

rodica

 

 

Rodica Draghincescu,
verantwortliche Herausgeberin

Übersetzung :

Tim Mücke (Berlin)

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