Editorial

 

 

Liebe Freunde von hier und anderswo,

 

 

Levure littéraire 10

 

 

lädt Sie ein, die Werke von 220 internationalen Künstlern zu entdecken.

 

 

LEITMOTIV UND DISKUSSIONSTHEMA DIESER AUSGABE:

Wörter und Kriegserklärungen. Der nicht vermeldete Tod der Sprache.

 

 

 

 

Sprache ist das wichtigste Mittel für Ausdruck und Kommunikation.

 

Sprache ist ein wundersames Mittel, womit sich Menschen untereinander helfen, Welt miteinander bauen. Das Leben miteinander zu bewältigen.

 

Oder im Gegenteil, sie lassen sich verleiten, zum Zwist, zum Streit. Zum gegenseitigem Verletzen. Vernichten. Und zu Kriegen und Katastrophen.

 

Sprache wird oft missbraucht für Macht und Manipulation.

 

Sprache ein lebendiger Organismus, der die sanften Veränderungen des Alltags in einer Gesellschaft sowie die großen Revolutionen aller Art in sich speichert. Dokumentiert. Aber auch verschleiert. Zum Ausdruck bringt.

 

Es gibt unzählige Fremdsprachen. Aber auch parallele Sprachen in der selben Gesellschaft. Es gibt geheime Sprachen. Slang. Und die Witze, die der eigenen Logik der Sprache folgen.

 

Oft über die Jahrhunderte wurden von den Mächtigen des Tages einzelne Worte oder ganze Sprachen verboten.

 

Ideologien jeder Art, ob politisch, wirtschaftlich oder religiös geprägt,  nutzen die Sprache als Instrument, um Macht zu erlangen oder an der Macht zu bleiben. Um den Willen der Menschen zu beeinflussen. Zu brechen. Einzuschläfern.

 

Der massive Druck, dem wir täglich ausgesetzt werden durch Medien, Politik, Wirtschaft und Natur ist enorm. Die nicht endenden Krisen der letzten Jahre.

 

Die drohende Gefahr eines neuen Nationalismus, Rassismus.

 

Die wachsende religiöse Intoleranz. Die reale Gefahr, aber auch die induzierte Angst vor der Verknappung der Ressourcen und der demographischen Explosion. Die klimatischen Veränderungen und Naturkatastrophen. Die Angst vor einer neuen Welle der Völkerwanderung.  Die immer öfter ausbrechenden und sich immer weiter ausbreitenden Epidemien. Die wachsende Zahl an Kriegsherden.

 

Der Verlust des Vertrauens in die Effizienz und  Kompetenz oder Integrität der politischen Klasse in vielen Teilen der Welt, und vieles mehr verbreitet Konfusion, Angst und Aggressivität.

 

Diese  Bedrohungen reflektieren sich in unserer Sprache. In ihrem täglichen Gebrauch sowie im öffentlichen Diskurs.

 

Die rasante technische Entwicklung hat neben vielen positiven Aspekten eine lebensfeindliche Beschleunigung in allen Bereichen mit sich gebracht. Und somit auch den Umgang mit einander in der Gesellschaft und den Umgang mit der Sprache beeinflusst.

 

Das Verschwinden ganzer Sprachen. Die Reduktion und  Komprimierung von Worten. Die Verknappung der Sprache. Die Vereinfachung und Versimpelung der Sprache.

 

Tägliche Kriegserklärungen finden statt. Es gibt viele Arten von Kriegen. Sitzkriege, Kaltkriege. Offene und verdeckte Kriege auch in der Sprache. Gegen die Sprache. Mit der Sprache.

 

Wir haben Künstler aller Sparten, Philosophen und Politologen eingeladen, sich darüber zu äußern. Uns Ihre Beobachtungen, Erfahrungen, Erlebnisse, Ideen, Gedanken und Schlussfolgerungen preiszugeben.

 

Zahlreiche Künstler aus vielen Ländern haben unsere Einladung angenommen und uns wertvolle Beiträge angeboten. Wir haben poetische Antworten bekommen. Auseinandersetzungen mit dem Verlust der Sprache in Prosa, in Musik oder anderen Kunstformen.

 

Wir bedanken uns bei allen Künstlern und Mitwirkenden und laden unsere Leser ein, sich von den vielen Anregungen inspirieren zu lassen, um weiter selbst zu reflektieren oder selbst zu kreieren. Um die Sprache zu bereichern und neu zu beleben. Um gegen Krieg und gegen Angst, Hetzte, Aggression und Bedrohung das Licht der Freundschaft, der gegenseitigen Akzeptanz, Kommunikation und Unterstützung in die Welt zu tragen.

 

 

 

 Carmen-Francesca Banciu & LL

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Konzipiert als ethischer und ästhetischer Gärstoff, ist Levure littéraire ein Versuchsfeld für Initiative und kreatives Denken, das, ohne finanzielle Hilfe oder hegemoniale Ansprüche, einzig auf Qualität und Originalität des kulturellen Schaffens selbst abzielt. In diesen Zeiten der wirtschaftlichen Krise und besonders der großen moralischen Krise, in denen der Frieden, die Bildung und die Kultur nicht gerade auf der Tageordnung stehen und es nicht mehr angesagt ist, den Humanismus zu pflegen, versucht Levure littéraire mit euch einen geheimen Ausweg zu finden, einen ruhigen Ort, um mit den tagtäglichen Barbareien und Vulgaritäten fertig zu werden.

 

Die Leveure Littéraire und ihre vielen atypishen Autorinnen (zwischen 50 und 160 pro Ausgabe) informieren und sorgen für Bildung – und das vier mal pro Jahr direkt auf Ihren Bildschirm -, indem sie weniger beachtete Themen und Sujets und Akteure aus allen sozio-kulturellen Landschaften (Literatur, Bildende Kunst, Musik, Philosophie, Anthropologie, Publizistik, Psycholinguistik, etc) – in ihrer jeweiligen Herkunft, ihren Ländern und Traditionen repräsentiert. Der Horizont zeichnet sich durch Gemeinsamkeiten wie Unterschiede aus; Gemeinsamkeiten, die uns bereichern, und eine thematische Vielfalt, die uns durch die beeindruckende Zahl von kulturellen Akteuren, die Vielfalt der verschiedenen Sprachen, Sensibilitäten, Geschmäcker, Bedürfnisse und Informationen betören.

 

« Wenn man von jemandem sagt, er sei meinesgleichen, bedeutet das, dass er mir ähnelt? »

 

In der Rubrik Languages, finden Sie die Ausgangs- und Zielsprachen unserer nicht-frankophonen Autoren und Übersetzer.

 

Die siebte Ausgabe von Levure littéraire enthält Gedichte, Novellen, Auszüge aus Romanen, Zeitungsartikel, literarische Essays, Gutachten, traditionelle Märchen und contes philosophiques, psychoanalytische Artikel, Malerei, Zeichnungen, Kollagen, Skulpturen, Theater- und Filmperformances, Musik (Jazz, Rock, Pop etc.), sowie Informationen zu internationalen kulturellen Veranstaltungen.

 

Mithilfe aller Beteiligten möchten wir den humanistischen Austausch bewahren und anregen.

 

Unser Ziel : neue Autoren bekannt machen, bekannte Autoren mit ihrer Erfahrung in ihrem Erfolg fördern, sowie jenen Perspektiven eröffnen, die keine mehr haben.

 

Kultur hilft uns, unser Schicksal besser zu meistern. Wir müssen wagen, sie mit anderen zu teilen – Autoren, diese « Fremden », « Seelendiebe », die uns doch faszinieren… Wir müssen die Identität des Anderen anerkennen, seine Unterschiede, seine Sprache, sein Werk und seine Kultur respektieren.

 

Wir müssen die Freundschaft pflegen! Sich von Kultur ernähren bedeutet, harmonisch im Haus des SEINS zu leben, zu reisen, mit Künstlerbooten in Länder reisen, in denen neue Möglichkeiten und Stimmen uns mit offenen Armen erwarten.

 

Wir müssen am Austausch von innovativen und befreienden Ideen unserer Kulturen teilhaben. Lassen wir die Machenschaften derer scheitern, die den Sturz der Kultur orchestrieren, indem sie ihren Verfall hinterhältig antreiben.

 

Levure littéraire ist für diejenigen entstanden, die Talent haben, die aber national oder international noch anonym bleiben, keine Beziehungen haben oder kaum die Möglichkeit, einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen.

 

Unsere Zeitschrift ist multilingual geworden, weil es Länder gibt, deren Sprache und Kultur noch verkannt.

 

Ohne Politik zu betreiben möchten wir gegen die kulturellen Parasiten kämpfen, die mit gekreuzten Armen, gefüllten Mündern und Taschen, das Aussterben der Kultur predigen. Wir prangern das Mäzenatentum sowie die Kürzung vom kulturellen Etat an, den Verfall des sprachlichen, menschlichen, ästhetischen und ethischen Verhaltens unseres 21. Jahrhunderts.

 

Schützen wir die Kunst, indem wir sie machen! Machen wir Kunst, indem wir sie verteidigen! Kunst hat stets dazu beigetragen, dass wir widerstehen, dass wir uns in Würde entwickeln, dass wir die Welt lieben und dass wir an eine bessere Welt glauben. Kunst hat noch niemanden getötet. Bringen auch wir sie nicht um. Machen wir aus ihr weder einen Spekulationseinsatz noch ein ordinäres kommerzielles Produkt. Der globalisierte Kunstmarkt ist nicht unsere Kunst, sondern erscheint uns als ANTIKUNST, eine Kunst, die Künstler und ihre Kulturen von ihrem Weg und ihrem Schicksal abbringt.

 

Durch seinen multilingualen Humanismus nimmt Levure Schaffende auf, zeitgenössische Künstler aus allen Ecken der Welt, geistige Vertreter mehrerer Völker, Kulturen, Sprachen und Traditionen, die sonst mehr oder weniger durch Angleichung und Popularisierung jeglicher Art zum Vergessen verurteilt sind.

 

Zeitgenössisch sein bedeutet nicht, der Zeitkrise ziellos zu folgen, mit ihren Strömungen und Wendungen, gedankenlos, ohne jegliches Bewusstsein, sei es kollektiv oder selektiv. Ganz im Gegenteil, wir müssen uns bei klarem Verstand und mit Scharfsinn zu unserer Zeit bekennen, jedoch stets Abstand bewahren, sowohl räumlich als auch zeitlich, um die finsteren Spuren und Flecken auszugrenzen. Der Zeitgenosse ersetzt die Vergangenheit nicht durch die Gegenwart, er ist auf der Suche nach dem, was die Gegenwart umfasst.

 

 

Rodica Draghincescu,
verantwortliche Herausgeberin

Übersetzung :

Tim Mücke (Berlin)

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