Der Schriftsteller, Journalist, Übersetzer und Herausgeber Jean Portante (Luxemburg) unterhält sich mit Rodica Draghincescu

 

 

 

 

 

 

 
RD : – Jean Portante Sie tragen die Poesie um ihren Hals, in der Form eines kleinen Flusses aus rotem Stoff, der sich mit den Jahreszeiten ändert (Wolle, Baumwolle, Seide, Leinen). Warum, Jean, ist es wichtig für Sie, Poesie zu schreiben?

 

JP : – Ich würde eher sagen: warum ist es wichtig, ganz kurz zu schreiben?

 

RD : – Ja, wenn Sie so wollen…

 

JP : – Ich schreibe Gedichte, ich schreibe Romane, Theaterstücke, Essays, Zeitungsartikel, Übersetzungen, Briefe, Tagebuch, E-Mail, SMS…

 

RD : – Und Poesie?

 

 

 

       In der Universittät von Bangor, Wales, 2014

 

 

 

JP : – Die Poesie ist der Ort, an dem ich mich am besten mit der Sprache auseinandersetzen kann. Ich bin als Waisenkind der Sprache geboren. Das heißt, der Schriftsprache. Zu Hause sprachen wir Italienisch, aber in der Schule – dem Ort, an dem wir schreiben lernen – wurde, Luxemburg verpflichtet, in Deutsch und Französisch, später Englisch unterrichtet. Es gab eine Verzögerung, bis ich anfing zu schreiben. Ziemlich spät übrigens. Zwischen meinem Selbst, das sich ausdrücken wollte, und der Art, wie es sich ausdrücken wollte.

 

RD : – …eine Verzögerung, sagen Sie ?

 

JP : – Nein, Verzögerung ist nicht das richtige Wort. Sagen wir, dass ich mich zwischen den Sprachen befand. Ohne es anfangs zu wissen. Ich habe also, als das Schreiben gefordert wurde, ganz naiv gedacht, dass ich nur eine Sprache wählen müsse, und dies wäre das Französische. Eine Sprache wählen und die anderen vergessen. In Wirklichkeit, war das, was ich brauchte, um mir selbst am nächsten zu sein, eine „Zwischen-Sprache“.

 

RD : – Eine schöne Metapher…

 

JP : – Eine Sprache, die dem Migranten gerecht wurde, der ich war. Eine Sprache, die weder Italienisch, das ich in der Schule nie lernte, noch Deutsch oder Französisch sein konnte. Eine „weder-noch“-Sprache. Daher kommt es, dass mir in einem meiner Romane, Mrs Haroy ou la mémoire de la baleine / Mrs. Haroy oder das Gedächtnis des Wales, ein Wal zur Hilfe kam.

 

RD : – Warum ein Wal um eine Sprache zu ersetzen?

 

JP : – Der Wal ist weder ein terrestrisches noch ein Wassertier. Er hat das Problem dadurch gelöst, in dem er das Eine nicht mehr war, ohne das Andere schon zu sein. Er hat den festen Boden verlassen, um im Wasser zu leben. So ein Migrant also. Wie ich.

 

RD : – Ein Wal, der die Schiffe und Reisenden erschreckt und verhext.

 

JP : – Er hat während der Reise seine Morphologie ziemlich verändert. Jedoch er bewahrte die Lungen aus seinem früheren Leben. Was ihm nicht ermöglicht, im Wasser zu leben. Er hat die Form eines Fisches, aber die Lunge verbindet ihn mit der Erde.

 

RD : – Und Ihre Lungen…

 

JP : – Meine Lunge, das ist die italienische Sprache. Mein Schreiben ist wie das Französische geformt, aber es atmet – ich habe an anderer Stelle gesagt: mit seiner Lunge – in italienischer Sprache. Und beim Gedichte schreiben, kann ich damit experimentieren, eine Wal-Sprache zu kennen… Die nicht mehr Italienisch und noch nicht Französisch ist. Eine Zwischen-Sprache.

 

RD: – Bewunderer von Sprachen und langen Reiserouten, was tragen Sie in ihrer poetischen Brieftasche, wenn Sie von einem zum anderen Land fahren, von einem Festival zum Nächsten?

 

JP : In meiner Brieftasche ist der lange Weg. Es ist ein Tunnel. Er verbindet den Süden mit dem Norden. Er ist weder Süd noch Nord. Es ist der Tunnel der Sprache, den man ohne Unterlass schmieden muss. Deshalb fühle ich mich überall wohl. Diese Worte sage und schreibe ich Ihnen aus Mexiko.

 

RD : – Genießen Sie Ihren Aufenthalt, Sie sind auf einem guten Weg!

 

JP : – Danke. Ich bin auf dem Weg. Mein Freund Pierre Joris schrieb an irgendeiner Stelle: „Wenn Du zurückkommst, vergiss nicht, den Weg mitzubringen.“ Alsdann, wenn ich zurückkommen werde, werde ich ihn nicht vergessen. Es sei denn, ich weiß nicht, wohin ich zurückkehren kann.

 

RD: – Wiederkehren: unter uns sei, auf poetische Weise, gesagt, heißt spiegelverkehrt reisen. Jean Portante, wer waren die Schriftsteller, die Sie beeinflusst haben, als Sie anfingen zu schreiben?

 

 

 

Jean Portante – La otra 2012

 

 

 

 

JP : – Ich begann im Alter von 33 Jahren zu schreiben. Seit 1983. Ich hielt mich für den Jünger von Baudelaire. Ich versuchte, ihn nachzuahmen. Mit Alexandrinern, Reimen und alledem. Ich machte es den früheren Malern gleich, die ins Museum gingen, um erst einmal das zu imitieren, was sie sahen.

 

RD : – Sie wollten wie Baudelaire schreiben…

 

JP : – Es war eine Phase, in der ich dachte, dass ich auf Französisch schreiben möchte. Also habe ich mich auf dieser Seite umgesehen. Selbstverständlich, Italien, das in mir ist, hat mich gleichermaßen in die Richtung von Ungaretti, Pavese und den Anderen gedrängt. Und, um ehrlich zu sein, die Schule hatte mich gelehrt, die deutschen Trakl und Rilke zu schätzen. Dann kam der Wal.

 

RD : – Wie ein Bedürfnis, wie eine Notwendigkeit…

 

JP : – Die Notwendigkeit, eine Sprache zu schmieden. Es war in jener Zeit, als ich den argentinischen Dichter Juan Gelman getroffen habe. In Havanna, wo ich damals lebte. Wir reden vom Ende der 1980er Jahre. Er, ein ursprünglich aus der Ukraine stammender aschkenasischer Jude, der manchmal auf Sephardisch schrieb, wandelte zwischen den Sprachen. Ich begann ihn zu übersetzen. Er brachte mir bei, ohne es mir zu sagen, dass ich nur in einer Sprache schreiben kann, in der Eigenen. Eine „malangue“ (im Original, „meine Sprache“), würde Lacan sagen, die niemand anderes schreiben könnte. Die mit mir geboren ist und mit mir sterben wird. Ich habe das verkürzt. Es gab andere Einflüsse. Aber der wichtigste war meine Begegnung mit Gelmans Poesie.

 

 

 

       Mit dem Dichter Juan Gelman, Genua (Italien), 2013

 

 

 

RD : – Erzählen Sie uns ein wenig mehr von dieser Begegnung mit Gelman. Warum war das Ihre schönste Begegnung?

 

JP : – Weil ich durch ihn das Handwerk des Schriftstellers, des Poeten, gelernt habe. Ich habe viele Poeten aus der ganzen Welt kennengelernt. Gute, Sehr gute. Aber Gelman ist, wie nur wenige, ein Schmied an der Sprache. So, wie T.S. Eliot über Ezra Pound gesagt hat, „il miglior fabro“, „der beste Schmied“. Die persönliche Geschichte von Gelman ist tragisch. Die argentinische Diktatur hat in den 1970er Jahren seinen Sohn getötet, seine Enkeltochter geraubt (die er viele Jahre später wiedergefand, ihre Mutter war ebenfalls nach ihrer Geburt ermordet worden). Auch ihn verdammte die Diktatur zum Exil.

 

RD : – Und er war in der Lage, dem zu widerstehen und zu überleben…

 

JP : – Wenn er das alles überleben konnte, dann deshalb, weil vorher, während und hinterher eine Sprache in ihm danach rief, geschmiedet zu werden, es war der Ruf, ein Werk zu schreiben. In der Poesie, in der Kunst im Allgemeinen, gibt es diejenigen, die einen Weg öffnen, und diejenigen, die ihm folgen. Gelman ist ein Wege-Öffner. Als ich ihn in Havanna, im Jahr 1988, zum ersten Mal lesen hörte, ist es mir in die Ohren gesprungen. Ich wusste es sofort. Bis dahin dachte ich, dass Schreiben bedeutet, sein Leben zu erzählen. Mit ihm habe ich gelernt, dass es vor allem bedeutet, eine Sprache zu schmieden. Wir haben damals nicht gesprochen. Ich war zu schüchtern, um ihn anzusprechen. Vier Jahre später habe ich ihn in Kolumbien wieder getroffen, und dort sprachen wir. Und ich begann ihn zu übersetzen. Und wir wurden Freunde. Und es ist aus seinem Haus, in der Colonia Condesa, in Mexiko-Stadt, dass ich diese Worte sage und schreibe. Mit dem Unterschied, dass er nicht mehr da ist.

 

RD : – Sie sprechen also von seiner Abwesenheit…

 

JP : – Ja, er starb am vergangenen 14. Januar…

 

 

 

       In Aquila (Italien), 2013

 

 

 

RD: – Was in ihren Werken ist Ihrer Kindheit geschuldet?

 

JP : – Mein Schreiben, sei es Poesie oder Prosa, ist autobiographisch. Ich schreibe mich. Mit all der Unklarheit, die das Wort mit sich bringt. Das heißt, dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischt. Alles ist wahr, aber nichts ist real. In diesem Sinne ist meine Kindheit sehr präsent. Diese Kindheit zwischen dem südlichen Ursprung und dem Norden der Geburt.

 

RD : – Wovon ernährt sich ihre Feder mit mehreren Schnäbeln ?

 

JP : – Alles in mir, meine Fantasie, meine Sprache, mein Sein, speist sich aus dem Territorium, das sich zwischen dem „nicht mehr“ und dem „noch nicht“ erstreckt. Es ist ein riesiges Gebiet, sehr fruchtbar. Es bestimmt mein Leben. Es bestimmt mein Schreiben. Alles dort ist bipolar. Ich lebe wie ein fiktiver Charakter.

 

RD : – Wie bearbeiten Sie dieses Territorium? Wann schreiben Sie? Wo? Für wen? Könnten Sie uns einige Aspekte vorstellen, die Geheimnisse ihrer „Werkstatt“, ihres Labors, ihres stilistischen Feldes? (das, was Ihnen gefällt, was Sie stört / anstrengt während des Schreibens?)

 

JP : – Ich bin ein Arbeiter des Schreibens. Ich meine damit, es gibt Phasen der Erholung und Phasen der Arbeit. Wenn ich mich erhole, so wie jetzt, dann reise ich. Wenn ich arbeite, arbeite ich die ganze Zeit. Ich organisiere meinen Arbeitstag. Wie mein Vater, der in die Fabrik ging und seinen drei-mal-acht-Rhythmus pflegte. Aber ich arbeite fünf oder sechs Stunden am Tag. Ich habe einen Arbeitsplatz außerhalb meines Domizils. Ich gehe dorthin, schreibe, und komme wieder nach Hause.

 

RD : – Für wen?

 

JP : – Ich ignoriere das. Jeder Leser nähert sich einem Text mit seiner eigenen Intimität. Ich kann nichts für ihn tun, wenn er sich nicht meinem Text öffnet.

 

RD : – Es ist das Warum, was für Sie zählt ?

 

JP : – Ja, es ist das Warum, das zählt. Um mein Schreiben zu gestalten. Manchmal, am Ende meiner Bücher, füge ich eine Gebrauchsanweisung hinzu. So habe ich, um Le travail du poumon (Die Arbeit der Lunge) abzuschließen, Lunge, Gebrauchsanweisung (Poumon, mode d’emploi) hinzugefügt. Das gleiche tat ich in La réinvention de l’oubli / Oubli, mode d’emploi (Die Wiedererfindung des Vergessens / Vergessen, Gebrauchsanweisung): Ich lasse den Leser – den imaginären natürlich – in das Schreiblabor eintreten. Beispiel: Es gibt viele Schaufeln (pelle) in meinen Texten. Es ist ein Werkzeug, sagen wir, mit autobiographischem Bezug. Meine Schaufeln bearbeiten das Land in Italien. Dann, in Luxemburg, finden sie sich in den Bergwerken und in der Fabrik wieder. Das Wort „pelle/ Schaufel“ kommt oft vor. Es hat ein Aussehen, eine Form, als komme es aus dem Französischen. Wie der Wal das Aussehen eines Fisches hat. In Wirklichkeit, wenn ich es schreibe, denke ich an „pelle“, das italienische Wort für „Haut“. Wir lesen Schaufel, aber ich schreibe Haut. Dies erlaubt eine Metaphorisierung, die aus der Lunge kommt, aus dem Italienischen, und nicht aus der Sprache, die man vor sich sieht. Es erlaubt mir auch mit einem einzigen Wort über ein wichtiges autobiografisches Ereignis zu erzählen, nämlich den Tod meines Großvaters väterlicherseits in der Fabrik. Er hat seine Haut gelassen, als er mit der Schaufel hantierte. Auf diese Weise funktioniert die Wal-Sprache.

 

RD : – Der polyglotte Wal ist gefräßig, ein Sprachen verschlingender Wal oder ein Wal mit mehreren Zungen!

 

 

 

Präsentation des Buches „Conceptions“, von Jean Portante – mit Luma Luma & the soundlaboratory ; 5. Oktober 2012

 

 

 

 

JP : – Ein geheimniskrämerischer Wal. Der die Originalsprache in der Schriftsprache versteckt. Die letztere tut nur so, als ob. Sie gibt vor, Französisch zu sein, aber in Wirklichkeit atmet sie mit der Originallunge. Die anderen Sprachen, Deutsch, Luxemburgisch, Spanisch usw. sind ebenfalls versteckt in der Sprache, die vorgibt, Französisch zu sein. Es gab einen Moment, in dem alle sichtbar waren. Ich arbeitete mit der Collage. Mit den Fragmenten aller Sprachen. Dann haben sie beschlossen, sich zu verstecken.

 

RD : – Proust sagte: „Das einzige wirklich gelebte Leben ist die Literatur.“ Wie ist das bei Ihnen? Wie leben Sie Ihr Schreiben im Alltag?

 

JP : – Ich bin jemand, der sich täglich zwischen dem „noch nicht“ und dem „nicht mehr“ weiter entwickelt. In meinem Tagebuch, das ich regelmäßig schreibe, verwende ich manchmal die dritte Person. Er. In meinen Romanen findet sich zumeist die erste Person. Ich. In den Gedichten ebenfalls. Es gibt kein „er/ sie / es“ in meiner Poesie. Nichts als „Ich“. Aber dieses „Ich“ ist das gleiche wie das „Er“ des Tagebuches. Mein „Er“ ist mein „Ich“. Ich kann in meinem Tagebuch imaginäre Dinge, wie durch eine fiktive Figur erlebt, erzählen. Aber, diese Person dort, das bin ich. So, wie ich in meinen Gedichten und Romanen reale Dinge erzähle, die, weil sie in dem Gedicht oder Roman vorkommen, auch der Phantasie entspringen. Alles dies geschieht, an welchem Ort auch immer, indem ich ständig in der Fiktion lebe. Ich und Er sind die Anderen. In jedem Fall, ist es dieses Leben, das zählt. Der Rest, um ein Wort Verlaines auf den Kopf zu stellen, ist der uninteressante Alltag.

 

RD : – Parallel zu Ihrer Arbeit als Schriftsteller, brillieren Sie seit mehr als zwanzig Jahren auf dem Gebiet der literarischen Übersetzung. Ihre eigenen Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In Luxemburg organisieren Sie das Festival Poetenfrühling (Printemps des poètes, www.prinpolux.lu). Sie unterrichten im Nationalen Spracheninstitut. Außerdem schreiben sie schon seit langem als Journalist im Jeudi, dessen Chefredakteur Sie waren. Nicht zu vergessen, dass Sie ebenfalls Literaturredakteur des Magazins TRANSKRIT sind. In Frankreich sind Sie Mitglied der Académie Mallarmé und mehrerer literarischer Jurys (der Preise Apollinaire, Max-Pol Fouchet, Yvan Goll…). Sie leiten immer noch die Zeitschrift Cahiers latins im Verlag Caractères, sowie, gemeinsam mit Jacques Darras, die Zeitschrift INUITS DANS LA JUNGLE. In Frankreich erhielten Sie im Jahr 2003 den Grand Prix d’automne der Société des gens de lettres für Ihr Gesamtwerk, ebenfalls den Mallarmé-Preis für Ihr Buch L’étrange langue/ Die fremde Sprache. Zehn Jahre zuvor, im Jahr 1993, wurde ihr Roman Mrs Haroy ou la mémoire de la baleine/ Frau Haroy oder das Gedächtnis des Wales in Luxemburg mit dem Servais-Preis geehrt.

 

 

 

       In Havanna (Kuba), 2014

 

 

 

Im Jahr 2011 wurde Ihr Gesamtwerk mit dem luxemburgischen Nationalpreis gekrönt. Es gab noch andere Auszeichnungen in Frankreich: den Fondan-, den Bosquet-, den Petrarca-Preis… Er schwimmt voller Kraft und macht große Wellen, Ihr Wal…Er laicht auf ganzer Linie, aber manchmal wird er ein Hai oder Delphin, angesichts der Beweglichkeit, Intelligenz und Schnelligkeit seines Geistes. Kurz gesagt, es gibt auf Ihrem Weg, meiner Meinung nach, ein Verlangen, eine Notwendigkeit, die Welt in vollen Zügen zu erleben. Es gibt bei Ihnen die Notwendigkeit, sich der Welt anzupassen, um sich ihr dann auf paradoxe Art zu widersetzen, sie zu leugnen, und ihr dann wieder von Zeit zu Zeit, alle Ehre zukommen zu lassen. Um ehrlich zu sein, Ihre Sprache erlebt eine ewige Utopie, eine Arbeit oder Verurteilung des Sisyphus. Ihre literarischen Reisen sprechen von einer Vitalität, die, in gewisser Weise, in Widerspruch zu Ihrem Schreiben steht, das abseits der Vitalität die Einsamkeit braucht, um in tiefere, eindringlichere und friedlichere Schichten vorzudringen. Ihr Schreiben ist manchmal seismisches Echo Ihrer Schritte in der Welt, manchmal die Stille, der Riss zwischen Ihnen und der Welt. Liege ich da falsch?

 

JP : – Dies ist eine große Lawine von Fragen. Womit soll ich anfangen?

 

RD : – Mit der Übersetzung, vielleicht…

 

JP : – Die Übersetzung, diesem anderen Wal. Die Übersetzung ist das Gebiet par excellence des „nicht mehr“ und „noch nicht“. Ein übersetztes Buch gehört bereits nicht mehr dem ursprünglichen Autor, aber gehört noch nicht dem Übersetzer-Autoren. Es ist die Sprache des Übersetzers, die der Leser lesen wird. Eine Sprache, die mit der Lunge des originalen Urhebers atmet. Eines meiner Bücher trägt den Titel Effaçonner.

 

RD :Eine neue Erfindung… tragend (Portante)… Träger der Sprachphilosophie…

 

JP : – Ich musste diesen Neologismus aus der Verbindung der Wörter effacement (Auslöschung) und façonnage (Bearbeitung) erfinden, um meinem Universum gerecht zu werden. Der Wal war ursprünglich ein großer Hund. Als er das Meer erreichte, begann ein langsamer Prozess des Auslöschens und der Umwandlung (Effaçonner). Er hat seine Beine abgelegt und gleichzeitig seine Flossen ausgebildet. Usw. Er hat alles „effaçonné“, alles, außer der Lunge. Die Übersetzung ist ein langsamer Prozess des „effaçonnement“. Die Originalsprache wird gelöscht und gleichzeitig die Sprache des Übersetzers geprägt. Das Wort Effaçonnement ermöglicht es mir, über eine andere Idee, die Ihre Frage enthält, zu sprechen. In Wirklichkeit handelt es sich nämlich um Anpassung. Was mich betrifft, Anpassung auf allen Ebenen. Der Wal passt sich an sein neues Leben an. Ich auch.

 

RD : – Ist die Übersetzung eine Anpassung?

 

JP : – Die Übersetzung ist ebenfalls eine Anpassung. Damit das Buch in seiner neuen Welt verständlich und lesbar ist. Die ganze Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Anpassung. Mein Schreiben ebenfalls. Mein Schriftsprache. Es sind die „effaçonnements“, die dies ermöglichen. Sie haben es ganz richtig erkannt, als Sie das Bedürfnis nach Einsamkeit und die Notwendigkeit, die Welt zu erfahren, gegenüberstellten. Dies sind die beiden Pole meines Territoriums. Jener Bogen, der sich zwischen dem „nicht mehr“ und dem „noch nicht“ spannt. Darin besteht die Utopie, von der sie sprachen, und die Sisyphusarbeit. Der Bruch und die Stille.

 

RD : – Welchen Unterschied sehen Sie zwischen dem fiktiven und dem realen Leben?

 

 

 

                      Auf der Buchmesse in Mexico, Oktober 2013

 

 

 

JP : – Ich würde „wahres Leben“ und „wirkliches Leben“ unterscheiden. Das wahre Leben stelle ich der Fiktion zur Seite. Nicht auf die Seite der Wirklichkeit.

 

RD : – In einem Artikel im Jeudi sprechen Sie von Mogelei und Falschspielern. In „Die Ordnung der Dinge“ (frz. Les mots et les choses) ordnet Foucault die Literatur als Gegenstück der Philologie ein… es bleibt nichts anderes übrig, wenn ich das so sagen darf, als mit der Sprache zu mogeln, die Sprache zu beschummeln. Konstatiert man beim Schreiben und Beschreiben, in welchem Ausmaß die Sprache schummelt?

 

JP : – Die Sprache trickst insofern, als sie uns in die Wahrheit der Fiktion führt. Die Wirklichkeit entfernt uns davon. Um die Wahrheit zu schreiben, müssen wir mit der Sprache mogeln, aber auch mit dem Blick, zum Beispiel. Ebenso mit der Erinnerung. Sich sagen, dass die vollkommenste Erinnerung das Vergessen ist. Das Schweigen der Erinnerungen. Aber die Sprache, indem sie die Erinnerungen benennt, wandelt sie in eine Fiktion um, ein gemogeltes Gedächtnis…Die Sprache spielt mit der Erinnerung. Sie weiß, dass nur das Vergessen die Erinnerung an die Wirklichkeit heranführt. Also, mit dieser Mogelei nähert sich die Sprache der Wahrheit an.

 

RD : – Die Sprache, nach Roland Barthes, als das am meisten gesicherte Zeichensystem, ist weder reaktionär, noch fortschrittlich; sie ist ganz einfach faschistisch; denn der Faschismus, besteht nicht darin, das Sagen zu verhindern, sondern im Zwang, etwas zu sagen. Was zwingt Sie Ihre Sprache zu sagen? Und was hindert Sie, etwas zu erzählen?

 

JP: – Diese „meine Sprache“ ist ziemlich tyrannisch. Aber ich bin es mit ihr auch. Das heißt, sie steht immer an erster Stelle, aus dem einfachen Grund, dass sie mich zwingt, das auszudrücken, was nicht gesagt werden kann. Hier ist das Geheimnis des Schreibens ansässig. Das zu sagen, was nicht gesagt werden kann. Nur die Sprache ist dazu in der Lage. Die ganze Dichtkunst besteht im Wesentlichen aus dem Unbeschreiblichen. Der Leser weiß das allzu gut, er wird nicht versuchen zu lesen, sondern zu interpretieren, er wird ganz intim in das Gedicht hineinschlüpfen. Nur auf diese Weise findet er das Unsagbare. Der Dichter, jener der schrieb, findet es niemals. Und das, dieses „niemals das Unaussprechliche treffen“, ist letztlich der Motor des Schreibens.

 

 

 

Zoe Skoulding und Jean Portante, am 15. Oktober 2013

 

 

 

 

RD : – In einem Ihrer Gedichte, kann man lesen: Oh Feuer das dem Bauch der Dinge entweicht. Und ihr alten Diebe, wisst Ihr schon, an wen Ihr Eure unterirdischen Ausreden adressiert. (In: ce qui advient et ce qui n’advient pas – IV / was passiert und was nicht passiert – IV). Jedes Objekt, jede abstrakte Entität ist ein Objekt, in Ihrem Schreiben lebt eine ganze Bevölkerung der Dinge. Alfred de Musset hätte mit Ihnen übereingestimmt: Liebe ist etwas, und der Rest ist nichts. Wo situieren Sie die beiden Verben (sein und lieben) in ihrem Werk?

 

JP : – Die Bevölkerung der Dinge, über die sie sprechen, das sind die Bewohner meines Territoriums. Das ist eine ganze Nation von Wörtern. Lieben, im Buch, ist ein Wort. Sein, auch. Vielleicht sind es die zwei Schlüsselbegriffe. Jedes Gedicht ist ein Gedicht der Liebe und des Lebens.

 

RD : – Was trägt das Handwerk des Journalisten, das sie gelegentlich ausüben, zu ihrem literarischen Schaffen bei? Und umgekehrt.

 

JP : – Als ich Chefredakteur des Jeudi war, brachte der Job mir eine gewisse Kenntnis der Dinge, aber noch wesentlicher war, dass er mir die Zeit raubte, die ich zum Schreiben brauchte. Seit ich mich damit zufrieden gebe, nur noch für den Jeudi zu schreiben, habe ich in das Territorium des Schreibens zurückgefunden. Ich lasse dem journalistischen Schreiben die gleiche Sorgfalt angedeihen, wie meinen Romanen, Gedichten usw. Ich stelle ihm Zeit zur Verfügung. Einen Tag pro Woche. Den Dienstag. Diesmal ohne Urlaub.

 

RD : – Die gesammelte Erfahrung als Direktor im Verlag PHI (Herausgeber für Luxemburg) hat ihnen eine reiche Erfahrung beschert. Was sind ihre Erkenntnisse als Verleger?

 

 

 

                                                    In Lima (Peru), 2013 © Pascual Borzelli

 

 

 

JP : – Im Verlag PHI koordinierte ich die Collection GRAPHITI. Sie ist der Poesie gewidmet. Ich war für die internationale Poesie verantwortlich. Dort veröffentlichte ich erstmals Juan Gelman. Die Franzosen gaben sich feinschmeckerisch. Sie sagten, er zerbricht die Sprache. Sie sagten, es ist schlecht übersetzt, es ist nicht Französisch, usw. Sie verstanden nicht, dass darin die Stärke Gelmans bestand. Nachdem ich zwei seiner Bücher veröffentlicht hatte, begann Frankreich, sich für ihn zu interessieren. Und jetzt ist er bei… Gallimard.

 

RD : – Was für eine Freude.

 

JP : – Ein anderer Dichter, den ich veröffentlichte, ist der Amerikaner Jerome Rothenberg.

 

RD : – Die Levure littéraire hat in einer ihrer Ausgaben Gedichte von Jerome Rothenberg veröffentlicht.

 

JP : – Aber es gibt auch Nicole Brossard aus Quebec, Liliane Wouters aus Belgien, die Italienerin Maria Luisa Spaziani, und viele andere. Ich setze diese Arbeit in den Zeitschriften, die ich herausgebe, fort.

 

RD : – Jean, glauben Sie an eine gesellschaftliche Aufgabe des Schriftstellers?

 

JP : – Die gesellschaftliche Mission des Schriftstellers – wenn man von einer Mission sprechen kann – ist zu schreiben. Wenn Sie sich auf das gesellschaftliche Engagement beziehen, denke ich, dass das Schreiben, die Sprache zu schmieden, bereits eine engagierte Handlung ist. Insoweit sie sich der Verarmung auf allen Ebenen widersetzt, jener der Sprache, der die Gesellschaft unterliegt. Jedes Gedicht ist in diesem Sinn ein Engagement dagegen und gegen jene, die von dieser Verarmung profitieren. Wir leben in einer Zeit, in der das menschliche nicht viel Wert hat. Was zählt, ist der Markt.

 

RD : – Und das dichterische Schreiben, hat es noch immer Wert?

 

 

 

       Mit Nicole Brossard (zweite von links), Trois-Rivières, Québec, 2014

 

 

 

JP : – Schreiben heißt, sich auf die Seite des Menschen zu stellen und sich dem Diktat des Marktes zu widersetzen. Jedoch, ich glaube nicht an das Gedicht, das anklagt. Es sei denn, es prangert als Gedicht an. Nicht mit leerer Phrasendrescherei. Nichts hindert den Schriftsteller, sich als Bürger dieser Welt gesellschaftlich einzubringen. Meine Zeitungsartikel dienen diesem Zweck. Ich habe eine Kolumne im Jeudi, deren Titel auf das Thema meines Engagements hinweist: Un monde immonde / Eine schändliche Welt. Die gegenwärtige Phase des globalisierten Finanzkapitalismus, drängt die Welt in die maximale Schande.

 

RD : – Macht Sie das wütend?

 

JP : – Das wühlt mich auf. Weil es überall eine Menge Armut und Elend schafft, und unerhörte Reichtümer in die Taschen einiger weniger leitet. Meine Zeitungsartikel gestatten mir, das anzuklagen.

 

RD : – Die zehnte Ausgabe der Levure littéraire hat als Leitthema: „Der unerklärte Tod der Sprache“, den Mangel an Kommunikation, die Einsamkeit, die Isolierung. Hätten Sie vielleicht für unsere Leser etwas zu diesem Thema beizutragen? Auf welche Weise berührt sie das?

 

JP : – Wir sind Zeugen des vorsätzlichen Mordes an der Sprache. An der Sinn-Entleerung der Worte. Bernard Noël spricht von „Sensur“, mit einem „s“. Es gibt den ideologischen Wunsch, die Worte ihrer Bedeutung zu entkleiden. Nur noch leere Hüllen übrig zu lassen. Das öffnet den Weg zu allen Formen der Intoleranz und des Faschismus. Eines schleichenden, hinterhältigen Faschismus. Man verbietet nicht die Sprache. Man entleert sie ihres Sinns. Überall, in den Medien, in der Politik und sogar in den Schulen, zählt nicht mehr, was man sagt, sondern, wie man es sagt. Die Schale, die Verpackung ist alles. Der Inhalt nichts. Das ist ein Weg, um das Menschliche in uns töten.

 

RD : – Um dieses Interview mit einem optimistischen Ton zu beenden, würden wir gern erfahren, welche künftigen Reisepläne Jean Portante hegt, um seinen rosa Wal zu finden (in der Regel sind die Sprachen rosa)?

 

JP : – Es gibt einen Roman mit dem Titel Jonas und der rosa Wal. Von einem bolivianischen Autor, dessen Namen ich vergessen habe. Während ich meinen Roman Mrs Haroy ou la mémoire de la baleine schrieb, hat mir ein Freund, der italienische Dichter Valerio Magrelli, das amerikanische Buch Et Dieu créa les grandes baleines/ Und Gott schuf die großen Wale geschenkt. Ich bewahre es sorgfältig in meiner Bibliothek auf. Er versammelte darin alle literarischen Wale. Einige Hundert habe ich in Mrs Haroy übernommen. Sie schwimmen unter den Wörtern und steigen am Ende des Buches zur Oberfläche auf… Doch, um auf ihre Frage zurückzukommen, ich habe vor kurzem einen Roman vollendet (der Anfang 2015 erscheinen wird), und ich habe gleichermaßen meine Poesie der letzten dreißig Jahre zusammengefasst (LE TRAVAIL DE LA BALEINE/ Die Arbeit des Wales, erschienen im März 2014). Und um zu atmen, unternahm ich einige Reisen, fast alle nach Lateinamerika: Kuba, Nicaragua, Argentinien, Kolumbien, Peru, und jetzt bin ich hier in Mexiko. Zum atmen, sagte ich. Um mich zu erholen. Aber die Reise neigt sich dem Ende zu. Der Zeitpunkt des Schreibens steht wieder vor der Tür. Mit einem geplanten Roman und einem Gedichtband. Aber lassen Sie mich noch eins hinzufügen. Ich habe das Gefühl, indem ich dreißig Jahre meiner Poesie zusammenfasste, habe ich einen Schreibzyklus beendet. Ich möchte damit sagen, dass meine Suche nach der Sprache nicht mehr dieselbe ist. Es gab zwei Ereignisse, die mich so denken lassen. Das erste war das Erdbeben in Aquila im Jahr 2009. Aquila ist die Stadt meiner Vorfahren. Sie liegt heute in Trümmern. Um es klar zu sagen, ich hatte kein Haus in jener Gegend, aber etwas in mir ist erschüttert. Die Lunge hat gebebt. Die Sprache in der Sprache ist erschüttert. Wie soll man schreiben, mit einer Sprache die bebt?

 

RD : – Ja, wie?

 

JP : – Ich widmete diesem Thema eines meiner neuesten Bücher: Après le tremblement / Nach dem Beben. Daraus ist das Zitat, das Sie weiter oben erwähnt haben. Das Buch besteht aus Wörtern, die beben. Ich entferne mich allmählich von der Wal-Sprache. Und nähere mich etwas, das ich die Phantom-Sprache nenne. Woraus diese besteht, weiß ich noch nicht. Aber es ist die Sprache, in der meine Bücher geschrieben sein werden. Sie schuldet viel dem Zusammenbruch, dem Instabilen.

 

RD : – Der Abwesenheit…

 

JP : – Der Abwesenheit auch. Und das ist das zweite Ereignis. Der Tod meiner Mutter im Jahre 2012. Ich habe ihn in meinem Roman Conceptions verarbeitet. Das ist ihr Vorname. Concettina (ital. Concetto / Konzept). Dieses Instabile verbindet sich mit den Konturen der Epoche, in der wir leben. Ich möchte jetzt die Architektur einer instabilen Sprache rekonstruieren.

 

RD : – Guten Wind also, auf dass Sie an den Ort gelangen, dem Sie sich nahe fühlen, und den Sie bereit sind, zu bewohnen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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Jean Portante : Biobibliographie

 

       Skulptur in einer Bushaltestelle in Dudelange, Luxemburg

 

Jean Portante wurde 1950 in Differdange (Luxemburg) in einer Familie italienischer Herkunft geboren. Zurzeit lebt er zwischen Paris und Luxemburg. Er ist Schriftsteller, Übersetzer, Journalist. Sein Werk umfasst mehr als dreißig Bücher: Gedichtsammlungen, Erzählungen, Bühnenstücke und Romane. Seine Texte wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt: ins Englische, Spanische, Italienische, Deutsche, Slowakische und Rumänische. Selbst hat er ein Dutzend Bücher der Weltliteratur übersetzt, darunter die Poeten Juan Gelman, Jerome Rothenberg, Maria Luisa Spaziani, etc).

Er ist Herausgeber der Poesie-Edition „graphiti“ im Verlag PHI. Er ist Mitglied des französischen P.E.N. Clubs, der Jury des Appolinaire-Preises. Gleichermaßen Vizepräsident der Internationalen Literaturkritiker-Vereinigung, der Confluences poétiques und der Edition Nouvelle Pléiade, deren Gründungsmitglied er ist.

In Luxemburg, erhielt er 1993 den Tony Bourg-Preis für seine Sammlung Ouvert Fermé, für seinen Roman Mrs. Haroy ou la mémoire de la baleine den Servais-Preis für das beste Buch des Jahres 1994.

In Frankreich wurde er mit dem Poesiepreis Rutebeuf für sein Buch Horizon, vertige & italie intercalaire im Jahre 1986, dem Mallarmé-Preis 2003 für sein Buch L’étrange langue und dem Grand prix d’automne der Société des gens de lettres im Jahr 2003 für sein Gesamtwerk geehrt.

Im Juni 2005, verlegte der Verlag Le Castor Astral unter dem Titel La Cendre des mots / Die Asche der Wörter eine Anthologie seiner zwischen 1989 und 2005 geschriebenen Poesie.

Seit Oktober 2006 ist Jean Portante Mitglied der Académie Mallarmé.

 

 

 

Bibliographie

 

Poésie

  • Feu et boue, Editions Caractères, Paris 1983
  • L’instant des nœuds, Editions Saint-Germain-des-Prés, Paris 1984
  • Méandres, Editions du Guichet, Paris 1985
  • Horizon, vertige & italie intercalaire, Editions Arcam, Paris 1986
  • Ex-odes, Editions PHI, Luxembourg 1991
  • Ouvert fermé, Editions PHI-L’Orange Bleue (Luxembourg-Belgique-Québec-Senegal) 1994 (Traduit en espagnol et italien)
  • Effaçonner, poèmes. Editions PHI/Ecrits des Forges. Luxembourg/Québec 1996 (Traduit en espagnol)
  • Point. Poèmes. Editions PHI-L’Orange Bleue (Luxembourg-Belgique-Québec-Senegal), 1999. (Traduit en anglais, traduit en allemand sous le titre Die Arbeit des Schattens)
  • La morte del padre. En plein edizioni. Milan 1999
  • La pluie comme un œil. Poèmes. Editions Empreintes, Lausanne 2001
  • L’étrange langue. Poèmes. Editions Le Taillis Pré, Namur 2002
  • L’arbre de la disparition, poèmes, Editions PHI/Ecrits des forges, Luxembourg/Québec 2004 (en traduction en portugais et en grec)
  • La cendre des mots. Anthologie personnelle. Editions Le Castor Astral, Paris. Juin 2005. (traduit en slovaque)
  • Le travail du poumon, Editions Le Castor Astral, mars 2007, Paris.
  • En réalité, poèmes, Editions PHI, Luxembourg, juin 2008.
  • La réinvention de l’oubli, Editions Le Castor Astral, Paris, juin 2010.
  • Conceptions, Editions PHI, Luxembourg, juin 2012.
  • Après le tremblement, Editions Le Castor Astral, Paris, juin 2013.
  • Richter, Editions Caractères, janvier 2014.
  • Le travail de la baleine, Poèmes 1983-2013, Editions PHI, Luxembourg, juin 2014

 

Prosa

  • Projets pour un naufrage prémédité. Récit. Ed. PHI, Luxembourg, 1987
  • Un deux cha cha cha, Roman. Ed. PHI, Luxembourg, 1990
  • La mémoire de la baleine. Roman (préfacé par Ismail Kadaré). PHI, Luxembourg 1993; Réédition: Le Castor Astral, Paris 1999 (traduit en allemand, italien et roumain).
  • Mourir partout sauf à Differdange. Roman. Editions PHI, Luxembourg, 2003 (traduit en roumain)

 

Theaterstücke

  • Le mariage de Pythagore, Teatro Vivace, Luxembourg 1995
  • Destin Destination. Théâtre. Editions PHI, Luxembourg 1998
  • Hexaméron. Dernier jour, suivi de Orphée au pays des mortels. Editions PHI, Luxembourg 2011.

 

Essays, Anthologien

  • Allen Ginsberg. L’autre Amérique. Essai. Le Castor Astral, Paris, 1999.
  • Anthologie luxembourgeoise. Poésie. Ecrits des Forges, Trois-Rivières 1999
  • Journal croisé d’un tremblement, Editions Convivium, Luxembourg 2010.
  • Florange sans fin, Editions Créaphis, Lyon 2013

 

Künstlerbücher

  • Promenade nocturne dans l’étang en fleur. Poèmes. Avec le peintre Paul di Felice et le compositeur Roland Kaber. Editions Kulturfabrik, Luxembourg 1984
  • Point dappui. Poèmes. Avec le peintre Scanreigh. Café des attributions, éditeur. Eymoutiers, 1999
  • Point de suspension. Poèmes. Avec le peintre Marek Sczcesny. Editions PHI, Luxembourg, 1999
  • L’olive provisoire, poèmes, avec la peintre Anne Slacik. Editions Trans-Signum, Paris mars 2004
  • Rue du Nord, poèmes, avec la peintre Yarmilla Vesovic, Editions l’Eventail, Tours mars 2004
  • La hache du pourquoi, poèmes avec Anne Slacik, Paris mai 2004
  • Le charbon descend, poèmes, avec Anne Slacik, Ed. Lucien Schweitzer, juillet 2004
  • Tous les feux sont éteints, poèmes, avec la peintre roumaine Augusta de Schucani. Éditions ICI & AILLEURS, Paris décembre 2004.
  • L’histoire est finie, poèmes avec le peintre luxembourgeois Jean-Marie Biwer, Ed. Red Fox, Irlande, mars 2005
  • Puisque je fouille dans les mots humides, avec la peintre française Anne Slacik. Éditions Brèche, Alain-Lucien Benoît, Rochefort du Gard, France, avril 2005
  • Les amants/le souffle, avec la peintre Génia Golendorf. Editions TransSignum, Paris, mars 2006.
  • Le partage des (p)eaux, avec Wanda Miluheac. Editions TransSignum, Paris, 2008.
  • Ce qui advient et ce qui n’advient pas, avecRobert Brandy, Redfox Press, Irlande, …2010.

 

Übersetzungen

  • La dernière traversée de la Manche, de Pierre Joris. Poèmes. Editions PHI, Luxembourg 1995
  • Hiver clinique, de Ioana Craciunescu. Poèmes. Editions PHI, Luxembourg 1996
  • L’épiphanie de l’alphabet, de Maria Luisa Spaziani, Editions PHI. Poèmes Luxembourg 1997
  • La cathédrale en flammes, de Guy Rewenig. Roman. Editions du Castor Astral. Paris 1997
  • Obscur ouvert, de Juan Gelman. Editions PHI. Poèmes. Luxembourg 1997
  • Christ avec renard urbain, de John F. Deane, Editions PHI. Poèmes. Luxembourg 1999
  • Poèmes quotidiens, de Esteban S. Cobas. Editions Indigo, Paris 1999
  • La nuit avant de monter à bord, de Daniel Samoilovitch. Editions PHI. Poèmes. Luxembourg 2001
  • Salaires de l’impie eu autres poèmes, de Juan Gelman. Editions PHI. Poèmes. Luxembourg 2002
  • Un nirvana cruel, de Jerome Rotheberg. Editions PHI. Poèmes. Luxembourg 2002
  • L’illuminé, de Gonzalo Rojas. Editions Myriam Solal. Poèmes. Paris 2003
  • Par dessus l’épaule du poème, de Millan Richter, traduction collective, dans le cadre des ateliers de traduction de la poésie contemporaine de l’IPW. Editions PHI, Luxembourg, 2005.
  • Travaux en vert, de Simona Popescu, traduction collective, dans le cadre des ateliers de …traduction de la poésie contemporaine de l’IPW. Editions PHI, Luxembourg, 2007.
  • Hagen interroge Siegfried sur les oiseaux, de Hans D. Gräf, Editons Alidades, Paris, 2010.
  • Maria Mariosh, de Reina Maria Rodriguez. Ed. Horizontes insulares, Canaries, 2010.
  • Espace où tout est bord, de Aléxis Gómez Rosa, Ed, Horizontes Insulares, Canaries, 2010.
  • Une étrange odeur de monde, de Victor Rodriguez Nuñez, L’Oreille du Loup, Paris 2011
  • L’Amant mondial, de Juan Gelman, Editions Caractères, Paris, 2012.
  • La solitude de l’abeille, de Tzveta Sofronieva, Editions L’Oreille du Loup, Paris, 2013.
  • Pologne / 1931, de Jerome Rothenberg, Editions Caractères, Paris 2013.
  • Traductions / Les autres, de Juan Gelman, Editions Caractères, Paris 2014.

 

http://www.jeanportante.com

 

 

 

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Übersetzung: Jörg Becken (Berlin)

 

Interview: Rodica Draghincescu

 

 

http://www.draghincescu.com

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