Anna Cybulska

 

 

(Polen)

 

 

 

 

 

 

« Vibrations Gedichte »

 

 

*

ich stellte die Berührung deiner Hände

auf das Fensterbrett im Blumentopf mit Veilchen –

du streifst sie mit abwesendem Blick –

in der Azur des Tages von der sonnigen Glut aufgeheiterte

Gedanken spannen sich und zittern – gehen in der Nacht in den Grau

des Vergessens und meiner Einsamkeit unter

 

*

 

ich blute aus den Wunden der Sünde –

Morgenlicht des Tages lindert keine Seele –

sublime Gestalten der Zukunft

verlieren den Sinn im blass orangenfarbigen  Traum

und nur Baumkronen sich am Horizont schmiegend

finden eine Unterkunft vor dem zerfetzten Wind

dem Angesicht der Wirklichkeit – an der Außenseite des Tages

 

*

 

im Gespräch mit der Nacht erblickte ich den Ruhm

im Godots Mantel – er schüttelte aus der Kapuze

silbernen Staub der Bewunderung ab arrogant gefühllos

blass – die Nacht spottete über ihm mit dem Wind

die Rockschöße des Mantels hochreißend deckte ein unergründliches Nichts

der Träume auf – und er mit der Geste der Hand hielt den Atem

der Stille auf und ging einen barfüßigen Weg in Richtung der blassen

Kreuzgänge der Sterne über

 

*

 

ein Flüstern hat etwas vom Gebet in sich – wenn es sich

über das Ohr beugt und die Lippe in die Worte setzt über die Haut läuft

Schauer der Unruhe Haare machen ein Nest für Laute

und in die Lethargie eingeführte Sinne spannen die Haut

in den schmerzhaften Erwarten – wenn es endlich in das Ohr eingesickert wird

der erwartete Traum nimmt den Geschmack der Kommunion an und dauert lang

greift in die Tiefe und bleibt für immer … als Nichterfüllung

 

*

 

die Welt! mit dem Rücken an die Wand

meines Alltags geklebt so weine ich zu dir!

du taubes Fragment des Seins abgestumpft

auf meine Klagen Träne und Einsamkeit – zu dir

seufze ich … der in die Faust Streifen meiner Seele ballst

und in Staub verwandelst – zu dir …

eingehüllt in den tadellos zugeschnittenen Anzug

der männlichen Fantasie

 

 

          Übersetzt von Karl Grenzler

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anna Cybulska (geb.1968), Autorin von Prosa, Poesie und Mini-Theaterstücken, als Sängerin interpretiert sie Balladen und Lieder, als Malerin gestaltet sie Buchumschläge. Mitglied der Polnischen Schriftstellervereinigung (Bydgoszcz und Torun) und der Künstlervereinigung in Bydgoszcz.
Ihre Werke wurden in verschiedenen polnischen Periodika und Sammelbänden publiziert und in Rundfunk und Fernsehen vorgestellt. Sie ist Preisträgerin für Poesie im Gesamtpolnischen Wettbewerb FRANCISZEK BECIŃSKI für Poesie (2006, 2008), und Prosa (2007) in Radziejów. In dieser Stadt wurde sie auch für ihr bürgerschaftliches Engagement für die Kultur geehrt. Den Literaturpreis der „Organischen Arbeit“ namens Maria Konopnicka erhielt sie 2013.

 

2005 Anioły we mnie śpią/ Engel schlafen in mir, Gedichte
2005 Szklane marzenia/ Gläserne Träume, Gedichte
2006 W twoich dłoniach sen/ Traum in deinen Händen, Gedichte
2008 Szepty intymne/ Intimes Geflüster, poetische Prosa
2009 Wyspy wyobraźni/ Inseln der Phantasie, Prosagedichte
2009 Wiersze rozedrgane/ Vibrations Gedichte, Prosagedichte ins Deutsche übersetzt von Karl Grenzler
2010 Ktoś Pana uwielbia/ Jemand liebt Sie, phantastische Gedichte von George Sand an Chopin, ins Französische übersetzt von Sławomir Jasiński
2013 Smak Marcepanu/ Marzipangeschmack, Erzählung, unter dem Pseudonym Luka Altmann, Związek Literatów Polskich, 2013

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