Andrej Lasarew

 

 

 

 

LESUNG – PERFORMANCE

 

Unter dem Motto:

« Man ist nicht in einem Land sondern in einer Sprache geboren! »

Emil CIORAN

 

 
Eine dreisprachige (Rumänisch-Französisch-Deutsch) poetische Vorstellung (Lyrik, Musik, dramatisches Spielen, Bewegung) zu Themen des Exils, der Sprache, der Integration,  der Identität, der Entwurzelung, der Abgelegenheit und der Nostalgie.

 

 

Mit: 

 

Rodica Draghincescu,

 rumänische und francofonische Dichterin (sie schreibt direkt in Französisch), wohnhaft in Amnéville-Les-Thermes/Lothringen, Frankreich

 

 

 

Andrej Lasarew,

Schauspieler und Regisseur aus Kasachstan, wohnhaft in Berlin

 

 

 

 

 

 

 
In den heutigen revolutionären Zeiten kann die Poesie stärker denn je ihr Potential nutzen, um jegliche Gewalt und Tyrannei in der Welt zu reduzieren. Mit unserer Performance wollen wir eine kulturelle Brücke der Freundschaft schlagen, die mit der Hilfe von verschiedenen Sprachen auch Völker verbindet. Es ist eine multidisziplinäre, mehrsprachige Botschaft der Solidarität, die von den Künstlern aus verschiedenen Herkunftsländern gesendet wird.

 

Mehrere Stimmen, mehrere Sprachen, darunter auch Körpersprache und die Sprache der Musik schaffen einen besonderen Raum, der ein Zuhause der Künstlern darstellt, die mit dem Thema Exil arbeiten. Wie für Rodica Draghincescu, die weit weg von ihrem Heimatland Rumänien im französischsprachigen Raum arbeitet, so auch für Andrej Lasarew, der tausende Kilometer von Kasachstan entfernt, immer wieder nach den Wurzeln seines eigenen Ichs  sucht, sind solche Worte wie HEIMAT oder IDENTITÄT keine leeren Hülsen, viel mehr sind es gelebte Schmerzen und Emotionen, die zur Schau getragen werden.

 

Was ist ein entwurzelter Mensch? Muss man die eigene Sprache ablegen und sich in der Nostalgie ausbaden, um endlich zurück zur eigenen Person zurückzukehren? Diese tragenden Fragen werden mit musikalischem Hintergrund in den Raum gestellt und bieten viel Platz für Interpretation und die Variabilität der Deutung.
Die Macht der Sprache ist enorm groß. Die soziale und die ästhetische Rolle eines Künstlers heutzutage ist es, diese Macht zu benutzen und sie zugunsten der modernen Gesellschaft dienen zu lassen. Somit kann ein Zauber entstehen, durch welchen ein zeitlich begrenzter Raum geschaffen wird, in dem der Künstler als Magier agiert und wo die Wunden der Seele geheilt werden.

 

Als heilende Energie wirkt dabei nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch die Präsenz des Körpers, die Anwesenheit der mehreren Körper im Raum. So wird auch theatralische Magie verstärkt benutzt – die Magie des Momentes, der Zauber des Augenblicks… Auch die Musik spielt eine große Rolle dabei. Ihre Schönheit wirkt wie eine Bandage der Verletzungen der starken Worte!

 

Es werden die Texte von Rodica Draghincescu gelesen. Vor allem aus ihrem neuen Buch „Sag nie wieder… », (Hans Schiler Verlag, Berlin 2011).

 

 

ORT: Saal/Zimmer mit einem Fenster (wenn möglich) und mit einer oder mehreren Steckdosen; den Rest werden wir mitbringen.

 

 

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Rodica Draghincescu, Autorin

 

Geboren in Buzias, Rumänien.

Humanistisches Gymnasium und Studium an der philologischen Fakultät der Universität Timisoara.
Arbeit als Sprachenlehrerin, später Dozentin an der Universität Timisoara und Forschungsauftrag an der Rumänischen Akademie.

 

Doktorandin an der Universität Paul Verlaine, Metz.

Unterrichte literarische Schreiben in mehrere Schulen von Lothringen.

 

Lebt zurzeit in Metz/Lothringen, Frankreich, als freie Schriftstellerin.
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien weltweit: Poesie, Prosa, Essays, Übersetzungen, Interviews, Literatur- und Kunstkritik.
Teilnahme an Literaturfestivals und Symposien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Italien, Schweden, Serbien, Slowenien, Rumänien, Moldawien, Kanada usw.

 

www.draghincescu.com

 

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Andrej Lasarew, Schauspieler

 

Geboren in Kasachstan, Regie – Abschluss der Deutschen Theater Akademie 1996. Seit 1994 war er Schauspieler, Dramaturg und Regisseur am Deutschen Theater Almaty. 1999 bekam Lasarew das Stipendium des Präsidenten Kasachstans für Nachwuchskünstler. 2000/2001 war Andrej Lasarew Stipendiat der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Im Mai 2001 führte er Regie bei der Uraufführung von Katharina Tanners „Alles Liebe“ in Stuttgarter Theater Rampe. 2001 war seine Inszenierung „Leute“ zu Gast am Donau- Festival in Niederösterreich. Im Mai 2002 fand in Rahmen dieses Festivals die Premiere seiner Arbeit „Annäherung an Idole“ statt (Koproduktion von Donau – Festival und der Akademie Schloss Solitude). 2002 gründete er das atheater in Münster. Seit dem ist er in jeder Produktion des atheaters als Schauspieler oder Regisseur zu sehen. 2003 arbeitete er im Auftrag des DeutschlandFunks als Journalist in Russland. In der Spielzeit 2003 – 04 führte Lasarew das Projekt GEGENWARTEN RUSSLAND am Maxim Gorki Theater in Berlin durch. Im Mai 2004 gewann er den Theaterstücke – Übersetzerpreis des Goethe – Instituts. 2006 – Teilnahme am Internationalen Theaterforum der jungen Bühnenangehörigen beim Berliner Theatertreffen. 2009 – Preis der Landesregierung NRW für das Theaterprojekt „Salam Münster, mon amour“. Seit April 2010 lebt Andrej Lasarew in Berlin.

 

www.atheater.de.ms

 

 

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        ZUGEHÖRIGKEITEN

 

Motto: Der Übergang zum Leben mit uns selbst stellt sich selber als vergänglicher Pol heraus.

 

 

 

Jeder Name macht aus seinem Horizont einen verwaisten Schatten

 

Ton und feiner Staub bilden mit dem Körper

einen Schattenspiegel

 

Durch Übertragung verdoppelt sich der Name

und enthält eine Pupille aus düsteren Schatten

deren Ränder sich im Augenwinkel rühren

gleiche Bewegungen zwischen denselben Extremen:

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

Allein wie

der Wind

Staub

allein

Denken allein

in allem andern allein.

 

Wenn ich deinen wahren Namen kenne, folgst du mir überallhin. Du wirst mein Schatten.

 

Wenn ich deinen wahren Körper kenne, kenne ich dich, halte ich dich an deinem Schatten fest.

 

Name im Namen unsrer eigenen Spuren.

Was verschattet werden kann, läßt sich auch identifizieren.

Enge Abhängigkeit, unterworfen.
 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

Oben ist wie unten.

Der Schatten Gottes ist in vollem Gange.

Wer unten ist

ist wie jener, der oben ist.

 

Die Leere ist in vollem Gange.

Dort, einst, immer hier.

Hier, immer, einst, dort.

 

Der Strom der offensichtlichen Erinnerungen kann sich von dem der Erinnerungen an früher trennen.

 

Das Denken schafft Namen.

 

Was verschattet werden kann, läßt sich auch identifizieren.

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

Der Schlagschatten hängt ab von der Größe dessen, der ihn wirft, und von der Entfernung zu seinem adoptierten Licht. Je mehr die Schritte in vollem Licht sind, umso großartiger wird ihre Schattenzone. Die Strahlkraft des Leuchtenden hängt von der Quelle des Namens ab (je weiter die Zone des Halbdunkels ist, umso undeutlicher wird der Umriß des Körpers).

 

Das Denken schafft Lichtschatten.

 

Allein wie die farblose Rose

Name allein

Hypnose allein

hybrider Umriß des Auges des Rosenstrauches

 

Im umgekehrten Bild seiner selbst.

Mit seinem eigenen Namen.

In etwas ganz anderem erblüht.

Die Seligkeit seiner Blütenblätter wendend.

Sich nach dem Licht ausrichtend.

Was in Begriffe gefaßt werden kann, läßt sich personifizieren, finden und benutzen.

Allein der Schatten leert, was man wirklich ist, und schafft die Gedankenspiele.

Rodica Draghincescu

 

 

Ubersetzung: Rüdiger Fischer

 

 

 

 

Blé blanc

 

 

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

 

 

Die Teile

 

 

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

 

 

Eine weisse Kutsche

 

 

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

 

 

Montag in Vaihingen

 

 

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 

Peaux de sable

 

 

 

 

Almaty, Kazakhstan: Andrej Lasarew und Gulmira Gabbasowa.

Dichtung: Rodica Draghincescu

 

 
http://web734.dashosting.de/ueber_uns.htm

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