Alexander Gerdanovits

 

 

(Österreich)

 

 

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Die Rettung der einsamen Objekte

 

 

SUZANA FÂNTÂNARIU  UND 

DIE POESIE DER GERETTETEN

OBJEKTE

 

 

  

 

 

   Meine erste Begegnung mit Suzana Fântânariu fand in ihrem Temeswarer Atelier statt. Seit längerer Zeit hatte ich mit Begeisterung ihre graphischen Arbeiten und Objekte in Ausstellungen verfolgt und freute mich sehr, endlich den Menschen in der so bekannten Künstlerin und Professorin zu entdecken. In einem für ihre Arbeiten viel zu kleinen Atelier, das die Künstlerin auch in der Freizeit zwischen ihren Stunden an der Hochschule  immer wieder aufsucht, befinden sich so viele ihrer plastischen und graphischen Arbeiten, so viele Objekte, dass ein Überblick für einen Erstbesucher unmöglich ist. Oft arbeitet Frau Fântânariu bis spät am Abend in diesem Raum, was sich in den Wintermonaten aufgrund der dort herrschenden Kälte als besonders schwierig erweist. Sie gesteht, ein Nachtmensch zu sein und betont sogar, nicht zu wissen, wie ein Sonnenaufgang aussieht. In der Nacht ist sie kreativ, viele ihrer Werke entstanden zu später Stunde[1]. Wenn sie sich etwas wünschen würde, ist es ein größeres Atelier. Ansonsten ist Frau Fântânariu ein dem Schicksal dankbarer Mensch. In all den Jahren hat sie eine sokratische Weisheit entwickelt, sie hat gelernt, dem Leben in allen Facetten etwas Positives abzugewinnen. Sie hat eine besondere Beziehung zu ihrer Wahlheimat Temeswar entwickelt; das angenehme künstlerische Klima, die architektonische Struktur, die vielen Plätze und Parks der Bega-Stadt haben es ihr besonders angetan. In dieser Stadt hat sie das Gefühl des Inseldaseins überwunden, sie genießt die Öffnung der Stadt nach außen und die vielen westlichen Einflüsse.

 

  Unser Gespräch streift einige Stationen im Leben von Suzana Fântânariu. Immer wieder kam zum Vorschein, wie Zufälle oder schicksalhafte Begegnungen den Lebenslauf eines Menschen ändern und beeinflussen können. Und dennoch mag nichts zufällig sein, ihr Glaube an eine gewisse Vorbestimmung und Lebensentwicklung durch die eigene Kraft und Herausforderung des Schicksals ist stark. All ihre Lebensstationen, ob es sich um Iași, in Klausenburg (Cluj), Craiova oder Temeswar handelt, sind mit den Etappen ihrer schulischen und künstlerischen Ausbildung verbunden. Aus all diesen Phasen ihres Lebens hat sie das Beste herausgefiltert und alle Unterschiede und Gemeinsamkeiten dialektisch in einer globalen Symbiose verbunden. Sie ist der festen Überzeugung, dass Reisen für einen Künstler notwendig sind, um verschiedene Kulturkreise kennenzulernen, um Unterschiedliches zu experimentieren. Ihr Leben sieht sie allegorisch als fortwährende Reise durch Rumänien, durch Kunst- und Wissenserlebnisse verschiedenster Art, durch geschichtliche Begebenheiten, durch Schicksalsschläge und Glücksmomente. Es gefällt ihr, gewisse Konstanten in ihrer Entwicklung zu erkennen.

 

  Ihre Kindheit verbrachte sie im Norden der Moldau, in einer geschichtsschwangeren Region um die Weiße Kirche von Baia. Der Topos der am Dorfrand verbrachten Kindheit prägte ihr Leben damals und heute. Wie kaum bei einem anderen Künstler merkt man, wie die wohl behütete Kindheit und die Figur der Mutter ihre Sensibilität gefördert haben. Bereits in jenen Jahren zeichnete sich die nahezu metaphysische Bindung zur Umgebung ab. Die nicht näher zu beschreibende Angst vor der Finsternis, das starke Bedürfnis nach Licht haben nahezu ontologische Wurzeln. All dies deutet auf eine äußerst sensible Künstlerin hin, die in späteren Interviews den Begriff Finsternis vor allem auf die Jahre der kommunistischen Diktatur bezieht. Licht bleibt als Inbegriff ihrer Kindheit bestimmend. Ihr zeichnerisches Talent war eindeutig da und wurde von ihrer Mutter und ihrem Umfeld erkannt und gefördert. Die Worte ihrer Mutter: „Komm, lass’ uns etwas für sie tun, damit das Talent nicht aussterbe“ („Hai să facem ceva pentru ea, ca să nu moară talentul“) sind ihr noch heute präsent. Ihre Mutter liebte das Schöne und war trotz mangelnder Schulausbildung eine sehr weise und intelligente Frau. Sie erkannte auch, dass sie ihre Tochter loslassen muss, um ihr den eigenen Weg zu ermöglichen. Ihre Mutter war sehr stolz zu sehen, dass ihre Tochter all das erreicht hat, was ihr nicht vergönnt war. Ihr Vater stammte aus einer wohlhabenden Familie, zu der auch Nicolae Iorga[2] auf Besuch kam. Wenn Frau Fântânariu aus ihrer Kindheit erzählt, kommt ihr alles wie im illo tempore vor, alles scheint nahezu mythisch entfernt zu sein.

 

  Das Leitmotiv ihrer Erinnerungen an die Schulzeit in Iași – die zweite wichtige Phase in ihrem Leben – sind die dicken Mauern, die das restriktive Internat, in dem sie untergebracht war, umgaben. Wenn heute noch Mauern ab und zu als Motiv in ihrer Grafik auftauchen, hat es vielleicht auch mit jener Umgrenzung zu tun, die ihr die Beziehung zur Innenstadt von Iași auf brutale Weise unterbrach. Die Tore des Internats waren fast immer zu, doch die Tore ihrer Traumwelt öffneten sich immer mehr. Dort entdeckte sie zum ersten Mal die Kraft der Subjektivität, der Individualisierung.

 

  Es folgte die Klausenburger Studentenzeit, die wichtigste Etappe in ihrer künstlerischen Entwicklung. Obwohl in jener Zeit auf politisch-gesellschaftlicher Ebene die Unfreiheit und Unterdrückung des rumänischen Volkes immer mehr zunahm, entdeckte sie ihre eigene Freiheit, die innere Freiheit, die ihr keiner nehmen konnte: die Freiheit, mit Freude künstlerisch arbeiten zu können, hauptsächlich nach den Pflichtkursen an der Akademie, oder das Zusammenleben mit anderen Kommilitonen im Studentenheim zu genießen. Oft muss sie an die Möglichkeiten, die ihre Studenten heutzutage haben, denken, sie agieren viel dynamischer und selbstbewusster, und Frau Fântânariu vergönnt es ihnen. Damals, in den ersten Jahren der Ceaușescu-Diktatur, war den Studenten bewusst, dass alle Ideale eine Grenze haben, sowohl eine zeitliche (die persönliche Unzulänglichkeit) als auch eine physisch-geografische (die Unmöglichkeit, jenseits der Staatsgrenzen durch Ausstellungen bekannt zu werden).  Einen gewissen Idealismus hat sie sich bis heute bewahrt. Zwei ihrer Haupteigenschaften sind die profunde Ehrlichkeit und die Unvorsichtigkeit (imprudentia), vor allemStudenten gegenüber. Des öfteren kann Ehrlichkeit in der  Alltagswelt zwischenmenschliche Beziehungen zerstören, die Frage ist nur, ob Ehrlichkeit ermüdend wirkt und von einer egoistischen Lebensweise zeugt, oder ob man gerade ihr die Tatsache zuschreiben kann, wahre Freunde im Leben gefunden zu haben. Obwohl es antiquiert klingen mag, müssen Kunstwerke einen gewissen Anspruch auf „Aufrichtigkeit“, auf eine innere „Wahrheit“ haben.      

 

  Von Glück redet Frau Fântânariu, wenn sie von ihren Mentoren redet: ob es Paul Ghiligor in Iasi oder die Universitätsprofessoren Ladislau Fest oder Daniel Popescu aus Klausenburg waren, Vorbilder, die in ihrer Ausbildung eine wesentliche Rolle hatten. Seit einigen Jahren ist sie selber als Professorin an der Hochschule für Bildende Kunst in Temeswar tätig und versucht, eine gewisse notwendige Strenge mit Sensibilität und Offenheit zu verbinden. Es ist bekannt, dass sie bei allen sehr beliebt ist. Den Studenten versucht sie eine gute Pädagogin zu sein, indem sie die Persönlichkeit des Studierenden formen will. Ihr Wunsch ist es, in ihren Zöglingen die künstlerische Sensibilität zu wecken, Dinge geistig und künstlerisch zu erfassen. Das Potenzial der jungen Künstler muss mit Vorsicht aus dem latenten Zustand geweckt werden, ansonsten bestehe die Gefahr, dass man die eigene Auffassung den Studenten überstülpt. Die Vorbildfunktion des Professors scheint ihr sehr wichtig zu sein, diese könne nur durch das eigene künstlerische Oeuvre realisiert werden. Was zählen sollte, ist das Werk. Sie bedauert, dass sogar im Falle eines Doktorats im Bereich der bildenden Kunst, das sie ebenfalls vor kurzem mit Erfolg abgelegt hat, das eigene künstlerische Werk kaum von Belang ist. Frau Fântânariu findet es schade, dass sich einige Professoren mit der pädagogischen Arbeit zufrieden geben und nicht mehr kreativ im Sinne des Schaffens von Kunstwerken agieren.

 

  Ihre Zeit als Lehrerin am Kunstlyzeum in Craiova wurde von der Freundschaft mit dem Schriftsteller I.D. Sârbu[3] geprägt. Eine große Freude und Genugtuung ist es für sie, die Professorin von heute renommierten Künstlern gewesen zu sein. Die Erinnerungen an jene Zeit werden jedoch von dem totalitären Regime Ceaușescus und seinen Auswüchsen geprägt. Die Kraft durchzuhalten gaben ihr die hohe pädagogische Mission, die Graphikabteilung am dortigen Gymnasium aufzubauen, und die geistige Beziehung zu außergewöhnlichen Menschen wie I.D. Sârbu. Die Zeitschrift „Ramuri“ aus Craiova erinnerte sich ihrer vor kurzem und gewährte ihr den Preis für Bildende Kunst.

 

  Nach Temeswar kam sie aus privaten Gründen, aufgrund einer Ehe, die mittlerweile gescheitert ist. Ihre Tätigkeit als Universitätsprofessorin an der Kunsthochschule hat ihre Bindungen an diese Stadt noch mehr gefestigt. Die kulturelle Vielfalt des Banats, die westlich orientierte Mentalität und die Offenheit der Menschen beeindrucken sie immer wieder. 

 

  Suzana Fântânariu kann viele Ausstellungen im In- und Ausland aufweisen: in Italien, Holland, Deutschland, Frankreich und in den Arabischen Emiraten. In Österreich hat sie leider nur ein einziges Mal ausgestellt, in Mödling, im Jahre 1990. Der Bürgermeister der Stadt hatte sie dorthin eingeladen. In den letzten Jahren hatte sie Ausstellungen in Budapest und Paris, sie nahm auch an unzähligen internationalen Biennalen und Triennalen teil (in Deutschland, Polen, Frankreich, Serbien, Slowenien, Japan, China, Argentinien, Brasilien usw.).  Die zahlreichen Preise und Auszeichnungen haben sie in ihrer Arbeit bestätigt.

 

  Die Künstlerin Suzana Fântânariu macht sich nie Gedanken, ob ihre Kunst beim Publikum ankommt und das ist gut so.  Kunst darf nicht von Trends oder Moden abhängig sein.  Wenn die Reaktion der Kunstbetrachter positiv ist, freut sie sich natürlich. Preise für ihre Arbeiten kann  sie nur nach einer größeren Überwindung nennen, es widerspricht einfach ihrer Natur, sich mit solch profanen Dingen zu beschäftigen. Ärgern kann sie sich über die Gewinne, die manche Galerien im neokapitalistischen Rumänien mit ihrer Kunst machen, während der Anteil der Künstlerin besonders spärlich ausfällt. Sie sucht den direkten Kontakt zu den Kunstliebhabern und würde es sogar begrüßen, wenn ein nicht mit dem Kunstbetrieb vorbelasteter Kunstfreund bei einer ihrer Vernissagen die einführenden Worte sagen würde anstelle der  üblichen Kunstkritiker, deren Diskurse oft hölzern und austauschbar sind.

 

  Alles was sie inspiriert, wird in Kunst umgewandelt, so ist beispielsweise vor einigen Jahren der Zyklus der Fenster des Brâncoveanu-Klosters (aus Brebu de Prahova) entstanden, graphische Arbeiten voller Sensibilität, die in keiner Ausstellung bislang gezeigt wurden. Das Motiv des Fensters, das das Licht nicht durchlässt, wird in Grau-Violett-Farbtönen dargestellt. In rötlich-brauner Tonalität sind wiederum die Mauern von Tescani und ihre Säulen gezeichnet. All diese Orte besuchte sie im Rahmen ihrer Aufenthalte in Künstlerkolonien, zu denen sie immer eingeladen wird. Die Säulen von Tescani erinnerten sie an die Kunst Horia Berneas[4], der ein Meister der Darstellung von Pfeilern war. Einige ihrer Arbeiten tragen den Vermerk „Hommage an Horia Bernea“. Das Motiv der Säulen und das der Treppe sind in der Symboltheorie miteinander verbunden, sie bedeuten den Aufstieg, das menschliche Streben, das Werden.

 

  Besonders faszinierte mich bei meinem letzten Besuch in Frau Fântânarius Atelier die Serie der Porträts oder Masken. Das Thema der Masken verbindet Suzana Fântânariu mit der österreichischen Pop-Künstlerin Kiki Kogelnik[5], deren Werke sie erst durch meine Vermittlung kennenlernte und von denen sie begeistert ist. Es verbindet beide Künstlerinnen ein Credo, das Kogelnik so formulierte: „Ich will mich nicht selbst darstellen. Ich trachte danach, etwas zu machen, das nicht zu einer bestimmten Person gehört, sondern möglicherweise eher zu Leuten als einer Gemeinschaft – wie bei primitiven Masken.“[6] Es ist bekannt, dass primitive Masken Picasso und die gesamte Moderne durch ihre Einfachheit und Ursprünglichkeit inspirierten.

 

  Das menschliche Sein als Masken-Dasein ist schon immer ein Leitmotiv der Kunst gewesen. Auch die Kärntner Lyrikerin Christine Lavant[7] widmete diesem Thema ein berührendes Gedicht:

 

„Herr, laß uns um Masken beten,

daß die andern uns ertragen,

daß die unentwegten Klagen

nicht aus unsren Augen treten.

Masken, Masken gib uns viele,

jede kühner als die letzte,

daß wir durch dies ausgesetzte

Leben gehen wie durch Spiele,

selbst ein Spieler bis zum Letzten!“[8]

 

  Auffallend groß ist die Darstellung des Mundes in den Masken-Porträts der Künstlerin. Sie gibt zu, dass diese Serie, die in Acryl auf Papier entstanden ist, auf der Idee des Sprechens beruht. Es geht ihr um die Möglichkeit der Aussage, des Sprechens überhaupt, aber auch um die Unmöglichkeit der Rede. Es sind blasse Gesichter, es geht um die sichtbare Blässe des Menschen, der etwas ausdrücken will und sich nur auf diese Möglichkeit des Sprechens konzentriert. Sprache ist essenziell und sagt sehr viel über die Persönlichkeit des Sprechenden aus. Oft bricht die Künstlerin im realen Leben Gespräche ab, wenn sie autoritäre Strukturen in der Rede ihrer Mitmenschen bemerkt. Viele ihrer Porträts kommen ihr im nachhinein dramatisch, rauh und streng vor, oft spürt sie das Bedürfnis, sie zu besänftigen. Kann man diese roten, fleischlichen, expressiven Porträts mit der Idee des Bösen verbinden, ist eine Frage, die sie beschäftigt. Oder mit der Wahrheit? Denn die Wahrheit ist bekanntlich grausam und hart. Wahrheit könne man auch nicht definieren, meint Frau Fântânariu.

 

  Eines der Leitmotive ihrer Kunst ist „die Rettung der einsamen Objekte“. In Installationen bringt sie verschiedene belanglose Gegenstände, die sonst isoliert im realen Leben zu finden sind, in Verbindung zueinander. Ein verlorener Ohrring kommuniziert in ihrer Kunst plötzlich mit einem Bierdeckel, eine Batterie mit einem Nagel. Alles wird durch die Sensibilität der Künstlerin verwandelt, durch die Intervention des Künstlers gewinnen diese Objekte an Bedeutung. Es geht ihr gewissermaßen auch um die Rettung der Vergangenheit durch einfache      Gegenstände, mit denen sie stark verbunden ist. Die Künstlerin kann sich schwer von der Vergangenheit, die eben durch solche Objekte gegenwärtig ist, trennen, sie liebt deren Patina. Oft versucht sie, die vereinzelten, aufgegeben geglaubten Objekte in Schachteln zu verstecken, um sie nicht mehr visualisieren zu müssen. Die „armen“ Objekte („bietele obiecte“) werden somit für Suzana Fântânariu Teil ihrer Kunstwerke.  Fotos werden auch in Objekte integriert,

 

 

sie gewinnen durch einen Sockel neue Konnotationen, ein Foto auf einer Kehrichtschaufel kann beispielsweise den Titel „Die Verunglimpfung der Jugend“ suggerieren. Fotos allein, auch gerahmt, sind für die Künstlerin uninteressant. Objekte per se sind irrelevant. Die „Rettung der einsamen Objekte“ geschieht auf eine poetische Art und Weise.

 

  Welches ist das Geheimnis ihres künstlerischen Arbeitens? Frau Fântânariu meint, es gebe keines, oder vielleicht doch: man müsse immer im Atelier etwas finden, das noch nicht begonnen, noch nicht bearbeitet ist. Dies sei das Geheimnis ihrer Kreativität, sie müsse bei ihrem Eintritt ins Atelier jedes Mal ein leeres Blatt, eine freie Oberfläche finden, um anfangen zu können, meint sie. Es ist das Bedürfnis des Künstlers, einen Leerraum zu haben, der ausgefüllt gehört.

 

  Sie würde es begrüßen, wenn es eine Identität zwischen dem Künstler und seinem Werk gäbe. In den meisten Fällen ist dies nicht der Fall, stellt sie mit Bedauern fest. Die innere Schönheit und Perfektion eines Kunstwerks stimmen nur selten mit der Persönlichkeit des Schaffenden überein. Ein Künstler müsse aber gewissermaßen Idealist sein, das ist ihre tiefe Überzeugung. „Ein Fremdling“ bleibt jeder künstlerisch Schaffende zeitlebens. In einem ihrer Gedichte betont sie ihr Fremddasein auf Erden:

 

„Ich habe keinen Ort auf der Welt,

Keinen Ort, um unterzugehen;

Ein Abgrund trennt mich

Von Euch und von allem.

 

Verziehen sei mir

Mein rastloses Irren

Durch das Universum

Durch die Wolken.

Meine Augen

Sind eine weiße Flamme

Durch die Dunkelheit

Bis zu euch…“[9]

 

 

 

www.geocentral.net/suzana

 

 

 

1 In einem autobiographischen Text schrieb Frau Fântânariu: „Îmi lipsesc diminețile pentru că mă culc prea târziu. Tot parcursul vieții este o lungă noapte.“ („Mir fehlen die Vormittage, da ich viel zu spät schlafen gehe. Mein ganzer Lebenslauf ist eine lange Nacht.“). E-Mail von Frau Fântânariu an mich, vom 17. 10. 2006.

2 Iorga, Nicolae (1871 – 1940), rumänischer Historiker, Schriftsteller und Politiker.

3 Sârbu, I.D. (1919-1989), rumänischer Schriftsteller und Dramaturg.

4 Bernea, Horia (1938 – 2000), rumänischer Maler. Siehe: Podlipny-Hehn, Annemarie, „Bild-Metapher und Empfindungsraum. Zur Ausstellung des Bukarester Malers Horia Bernea in der Temeswarer Bastei“, in: Werte aller Zeiten, Kriterion Verlag, Bukarest, S. 180-181.

5 Kogelnik, Kiki (1935 – 1997), österreichische Künstlerin, Vertreterin der Pop-Art.

6 Kogelnik, Kiki, siehe Ausstellungskatalog der Galerie Judith Walker, Hollenburg, 2001.

7 Lavant, Christine (1915 – 1973), österreichische Lyrikerin.

8 Apud: Steige, steige, verwunschene Kraft. Erinnerungen an Christine Lavant, Verlag Ernst Ploetz, Wolfsberg, 1978, S. 58.

9 Gedicht von Suzana Fântânariu, im Original: „N-am loc în lume/N-am loc a apune/Un hău mă desparte/de voi și de toate/Iertată să-mi fie/a mea rătăcire/prin univers/printre nori./Ochii mei/sunt o flacără albă/prin întuneric/până la voi…“

 

 

 

 

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ALEXANDER GERDANOVITS

 

– wurde am 24. Mai 1974 in Temeswar (Timisoara), Rumänien geboren.

– zwischen 1980 – 1988 besuchte er die deutsche Abteilung der Allgemeinschule Nr. 3  (das heutige “W. Shakespeare”-Gymnasium) in Temeswar.

– in den Jahren 1988 – 1990 war er Schüler des Kollegs “C. D.  Loga” in Temeswar und in der Zeitspanne 1990 – 1992 besuchte er das “N. Lenau” –Gymnasium in Temeswar, wo er auch die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand. In dieser Zeit gewann er mehrmals den 1. Preis bei  verschiedenen “Schüler-Olympiaden” (Wettbewerbe für Deutsche und Rumänische Sprache und Literatur).

– 1992 begann er sein Germanistik- und Anglistikstudium an der Universität Klagenfurt, Österreich. 1998 folgte ein Auslandssemester in Cambridge, England, wo er an der “Anglia Polytechnic University” dank eines “Erasmus”-Stipendiums studierte. 1999 absolvierte er sein Studium an der Universität Klagenfurt.

– im Jahr 2000 wurde sein erstes Buch “Streifzüge. Betrachtungen zur Literatur” (Solness Verlag, Temeswar), eine Sammlung von Essays zu ausgewählten Themen der Literaturgeschichte, veröffentlicht. Das Buch wurde mit dem Debütpreis “Nikolaus Berwanger” des Rumänischen Schriftstellerverbandes ausgezeichnet.

– 2006 erschien sein zweites Buch “Erlebnis Kunst” (Cosmopolitan Art Verlag, Temeswar),  das einen Überblick über die Kunstszene im Banat (Rumänien) und in Kärnten (Österreich) gibt.

– seit vielen Jahren arbeitet er hauptberuflich als Privatsekretär und Konsulent der rumänischen Operndiva Angela Gheorghiu.

– veröffentlicht regelmäßig Beiträge in rumänischen und österreichischen Kulturzeitschriften (z. B. “Die Brücke”), wie auch in Tageszeitungen (“ADZ”, “Kleine Zeitung” u. a.).

– ist Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbandes.

– seit 2007 kuratiert und organisiert er die Ausstellungsserie “Konfrontation” in der Galerie 3 in Klagenfurt, in der er seit dem Herbst 2010 auch als Mitarbeiter angestellt ist. Bei vielenVernissagen (Paul Kulnig/Kunstverein; Peter Krawagna, Suzana Fantanariu, Paul Kulnig. Leon Vreme, Peter Jecza, Ilse Mayr/Galerie 3) hielt er dir Eröffnungsreden.

–  im Moment schreibt er an seiner Dissertation in Philosophie an der Universität Klagenfurt.

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